Rosenbergstrasse 115
Sie: Wollten wir diesen Sommer nicht heiraten? Er: Jetzt mal ehrlich, das war doch kein richtiger Sommer.
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Sie: Wollten wir diesen Sommer nicht heiraten? Er: Jetzt mal ehrlich, das war doch kein richtiger Sommer.
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Massenphänomene heissen heute nicht mehr so. Aus Massen – zu denen ja, igitt, keiner gehören möchte – wurden «Schwärme». Vermutlich ist der Begriff genauso von Frank Schätzing in unsere Gesellschaft eingeführt worden wie der Tsunami, von dem unsereiner erstmals im Buch «Der Schwarm» gehört hat (und zwar einige Zeit vor dem ersten Tsunami, den wir zur Kenntnis genommen haben, weil er einige Hundert europäische Touristen in Thailand getötet hat). Wenn viele Leute miteinander denken und ein Problem zu lösen versuchen, spricht man von Schwarmintelligenz. Ob’s den Begriff Schwarmdummheit auch gibt, ist nicht bekannt. Dass es sie gibt, ist sicher.
Es gibt Leute, die haben keinen Computer, und Extremisten, die sehen noch nicht mal fern. Es gibt aber auch Fern-Seher, die schauen weder VOX noch RTL. Und kennen deshalb Frau Katzenberger nicht. «Die Katzenberger» ist blond. Mithin eine Blondine. Genauer: die zurzeit gültige Benchmark-Blondine des deutschen Sprachund Guckraums. Originalton: «Ich glaube nicht an Gott, ich glaube nur an Dinge, die man sehen kann, wie zum Beispiel Ausserirdische oder UFOs.» Man muss sie einfach gern haben. Als Mann.
So langsam beginnen auch die direkt Betroffenen – die Patienten und ihre Angehörigen – zu merken,
wie das laufen wird (beziehungsweise bereits läuft) mit den Fallkostenpauschalen und unter dem Diktat von SwissDRG ab nächstem Jahr. Immer häufiger erscheinen Leserbriefe, in denen beklagt wird, dass Patienten – leider oder typischerweise vor allem Patienten, die sich schlecht wehren können: Ältere, Alleinstehende, Demente, Schwerkranke – zu früh nach Hause entlassen oder auf die Pflegeabteilung verschoben Umfeld leisten.
Seit 2009 gibt es den ANQ, den Nationalen Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken. Er entstand aus dem Zusammenschluss der Nationalen Gesellschaft für Qualitätssicherung (KIQ) und dem Interkantonalen Verein für Qualitätssicherung und -förderung (IVQ). Mitglieder sind der Spitalverband H+, die Kantone, santésuisse und die eidgenössischen Sozialversicherer. Zweck des ANQ ist die Initiierung, Koordination, Durchführung und Publikation von ergebnisrelevanten (was sonst?) Qualitätsmessungen auf nationaler Ebene. Praktisch: Die Spitäler messen beispielsweise die potenziell vermeidbaren Reoperationen und Rehospitalisationen, die Prävalenz von Stürzen oder Dekubitus, die Patientenzufriedenheit. Das Problem: Wo es Benchmarks gibt, gibt es auch Abweichungen davon – in beide Richtungen (so wills die Statistik). Was machen die Kliniken, die beispielsweise bei der Patientenzufriedenheit schlecht abschneiden? Sie suchen nach Sonderfaktoren, die das Ergebnis negativ beeinflusst haben. Und – die finden sie. Natürlich! Immer! Notfalls mittels einer begleitenden oder anschliessenden Untersuchung.
Das hat nun wirklich keiner von uns nötig: sich mit Gratis-Kugelschreibern korrumpieren zu lassen. Die paar Franken für einen qualitativ guten und optisch ansprechenden Kugelschreiber könnte sich jeder von uns leisten. Täglich, wenns sein muss. Und dennoch können wir ärztlichen Kongressbesucher uns selten beherrschen. Wir (natürlich nicht jeder, aber doch die meisten von uns) nehmen an jedem zweiten Pharmastand einen mit dem Schriftzug der Pharmafirma oder des beworbenen Produkts versehenen Stylo zu uns. Oft so viele, dass sich im Lauf eines Jahres viel mehr Schreibstifte ansammeln als wir je brauchen können. Schlimm? Vermutlich nicht.
Auf www.23andme.com erfahren Sie, was Sie tun müssen, um alles über Ihr Erkrankungsrisiko herauszufinden. Sie senden eine Speichelprobe (Wattetupfer samt einem mit Barcode markierten Röhrchen wird geliefert) ein und einige Tage später erhalten Sie ein genetisches Profil, das Ihnen Auskunft über Ihr Risiko gibt, an einer oder mehreren von 189 Störungen zu erkranken: von Diabetes bis Morbus Crohn, von Prostatabis Mammakarzinom, von Behçet bis Narkolepsie, von Tourette bis Restless Legs, von Parkinson bis ALS.
Aus dem Internet geklaut (wie so vieles) und deshalb fast tel quel übernommen – schliesslich kann man die Situation kaum besser schildern: «Auch in der Schweiz gilt die Verwaltungsmedizyn als eine uralte Kunst, die immer mehr Anteil am gesamten Therapiewesen gewinnt. In manchen Fachrichtungen wird bereits von 50 bis 60 Prozent Anteil an der Gesamtarbeitszeit gesprochen. Wenn die Prognosen zutreffen, so therapiert ein Schweizer Assistenzarzt demnächst ausschliesslich durch Verwaltungsmedizyn. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es werden kaum noch Ressourcen verbraucht, und durch den Einsatz von elektronischer Datenverarbeitung (EDV) und – falls überhaupt noch nötig – selbstverständlich chlorfrei gebleichtem Papier, fallen kaum noch entsorgungspflichtige Abfälle an. Zeitraubende Patientenkontakte lassen sich so auf ein Minimum beschränken.»
Auch wer sich einen SP-Nationalrat nicht als obersten Repräsentanten der Schweizer Ärzteschaft vorstellen will und kann – und deshalb für eine Ablösung von JdH als Präsident der FMH ist –, wird (oder sollte) froh sein, dass es Ärzte gibt, die kantonal und national politisieren. Unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Sind wir auch und deshalb: JdH in den Nationalrat! Nur, wer die Berufsorganisation der Ärzteschaft – jedenfalls deren unternehmerisch tätigen Teil – vertreten will, sollte sich auch mit ihren unternehmerischen Zielsetzungen identifizieren können und wollen. Es ist schlecht denkbar, dass ein sozialistischer Nationalrat das kann. Deshalb: JdH als Nationalrat? Sofort. JdH als Präsident der FMH? Keinesfalls.
Ansichten 1911
Der Pilatus ist der Hausberg der Luzerner. Im Mittelalter hiess das Pilatusmassiv Mons fractus («gebrochener Berg»), Frakmont oder Fräkmünd. Zwei Alpen auf beiden Seiten des Massivs tragen heute noch den Namen Fräkmüntegg und Fräkmünt. Das Pilastätte fand.