Psychiatrie – Die zurzeit sehr unüberschaubare Lage in der Welt hat Auswirkungen auf unser Fachgebiet
PD Dr. med. Dr. phil. Ulrich Michael Hemmeter Chefarzt Psychiatrie St. Gallen
PD Dr. med. Dr. phil. Ulrich Michael Hemmeter Chefarzt Psychiatrie St. Gallen
Lyfnua® (Gefapixant) ist ein neuer oraler antitussiver Wirkstoff, der im Mai 2022 von Swissmedic als erster Verteter aus der Gruppe der P2X3-Rezeptor-Antagonisten zugelassen wurde. Er ist in Tablettenform verfügbar und indiziert bei Erwachsenen zur Behandlung von chronisch refraktärem Husten oder chronischem Husten ohne erklärbare Ursache.
Im September 2022 wurde mit Evusheld® (Cilgavimab und Tixagevimab) eine Injektionslösung zweier monoklonaler Antikörper zur Vorbeugung (Präexpositionsprophylaxe) und Behandlung von COVID-19 (coronavirus disease 2019) befristet zugelassen. Das Medikament kann eingesetzt werden bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren und mindestens 40 kg Körpergewicht, die keine angemessene Immunantwort auf die Impfung gegen SARSCoV-2 (severe acute respiratory syndrome coronavirus 2) entwickeln, zum Zeitpunkt der Behandlung nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren und zuvor keinen Kontakt zu einer infizierten Person hatten.
Die Pandemie ist vorüber. Manche Änderungen, die man während der Lockdowns notgedrungen vornehmen musste, sind geblieben. Dazu gehören unter anderem die Fortbildungsveranstaltungen, die während der Lockdowns auf Online-Lehrveranstaltungen umgestellt werden mussten.
Seit Juni 2022 steht mit Tezepelumab auch in der Schweiz ein neuer rekombinant hergestellter, entzündungshemmender, monoklonaler Antikörper aus der Gruppe der TSLP-Inhibitoren zur Behandlung von Bronchialasthma unter dem Handelsnamen Tezspire® zur Verfügung. In den USA war die Zulassung bereits im Jahr 2021 erfolgt.
Bei Patienten mit atopischer Dermatitis sticht die entzündete Haut sofort ins Auge. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Eine unauffällige subklinische Hautentzündung und systemische Auswirkungen sind ebenfalls wichtige Aspekte dieser sehr komplexen Erkrankung. Über die Pathophysiologie der atopischen Dermatitis sprach Prof. Thomas Bieber aus Bonn (D) am hybriden EADV-Kongress 2022.
Mit einem Biomarker des Immunsystems kann bei Neugeborenen die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer atopischen Dermatitis sowie deren Schweregrad abgeschätzt werden.
Zur topischen Behandlung der seborrhoischen Dermatitis wird derzeit ein innovatives Schaumpräparat entwickelt, das sowohl auf der behaarten Kopfhaut als auch an anderen Hautstellen anwendbar ist. In einer Phase-III-Studie war die betroffene Haut bei der Hälfte der mit Roflumilast-Schaum behandelten Patienten innerhalb von 8 Wochen völlig erscheinungsfrei. Prof. Andrew Blauvelt aus Portland (Oregon/USA) stellte die Studienresultate erstmals am hybriden EADV-Kongress 2022 vor.
Es ist wichtig, Vitiligo möglichst frühzeitig zu diagnostizieren. Weil vor Kurzem entstandene weisse Flecken besser auf die Therapie ansprechen, erhöht ein unverzüglicher Behandlungsbeginn die Chancen für eine erfolgreiche Repigmentierung. Das Angebot von psychologischer Unterstützung kann hilfreich sein, denn Vitiligo ist oft mit grosser psychischer Belastung und mit eingeschränkter Lebensqualität verbunden.
Zur Behandlung der Plaquepsoriasis stehen mit den IL-17- und IL-23-Blockern hochwirksame Biologika zur Verfügung. Proaktive Frühbehandlung könne den Therapieerfolg verstärken und das Immungedächtnis in der Haut günstig beeinflussen. Möglicherweise kann der Krankheitsverlauf dadurch bei einem Teil der Patienten lang dauernd modifiziert werden, berichtete Prof. Curdin Conrad aus Lausanne am EADV-Kongress 2022.