Rosenbergstrasse
Der eindrücklichste Dialog der vergangenen Woche: «Ich bin erkältet.» – «Am besten, du trinkst Milch mit Honig.» – «Geht nicht, ich bin Veganer.» – «Tja, dann stirbst du halt.»
Der eindrücklichste Dialog der vergangenen Woche: «Ich bin erkältet.» – «Am besten, du trinkst Milch mit Honig.» – «Geht nicht, ich bin Veganer.» – «Tja, dann stirbst du halt.»
Eigentlich sollte man angeödet schweigen, diskret den Kopf schütteln und die letzten warmen Herbsttage geniessen, statt sich über Gammelgeschichten aus der Mottenkiste zu ärgern. Was soll das? Da wird in «Tages-Anzeiger» und «Bund» eine Studie besprochen, die bereits vier Jahre alt ist, deren Qualität und Aussagekraft schon damals mit «mangelhaft» noch gnädig qualifiziert wurde und die man deshalb getrost hätte vergessen können. Aber nun ja, wer sich schon lange mit der Thematik und der politischen Auseinandersetzung über die Selbstdispensation beschäftigt hat, dem musste klar sein, dass auch diese – wie jede selbstdispensationskritische «Untersuchung», und möge sie noch so parteiisch oder/und von Ignoranz geprägt sein – irgendwann in der gesundheitspolitischen Debatte wieder hervorgekramt wird.
Elisabeth Kübler-Ross wurde 1926 als Drillingsschwester in Zürich geboren, studierte Medizin an der Uni Zürich und schloss das Studium 1957 ab. Kurz danach siedelte sie mit ihrem Ehemann in die USA über. 1965 wurde sie Assistenzprofessorin für Psychiatrie an der University of Chicago, wo sie sich an Seminaren der Klinikseelsorge zur Begleitung Sterbender beteiligte. Sie stellte dabei fest, dass viele Ärzte der Realität des Todes aus dem Weg gingen. Im Unterschied dazu besuchte sie todkranke Patienten und sprach mit ihnen, oft zusammen mit den Seelsorgern der Klinik. Über ihre Befragungen verfasste sie 1969 das Buch «On Death and Dying» («Interviews mit Sterbenden», 1971).
Ausnahmsweise beginnen wir mit einem Zitat. Dies schreibt swissinfo.ch, das Nachrichtenportal, am 20. Oktober 2017: «Ärzte mit eigener Apotheke verschreiben mehr Medikamente. Eine neue Studie belegt nun, dass zwar besonders Spezialisten, aber auch Hausärzte damit die Gesundheitskosten in die Höhe treiben.
Alle beklagen sich über Fake news. Dabei sind Fake News völlig normal und üblich – sie sind das, was wir täglich Dutzende Male produzieren: Lügen, Schummeleien, Über- oder Untertreibungen, Angebereien und so weiter. In der Medizin sind Fake News meist ungewollt und unerwünscht – Fehlinterpretationen und Fehldiagnosen halt. Manchmal auch notwendig zum Schutz der Patienten. In der Politik sind Fake News ein Teil des Hand- beziehungsweise des Mundwerks. Die meisten grossen Kriege – der Zweite Weltkrieg, der Vietnam-, der Irak-, der Afghanistan-Krieg – begannen mit Fake News.
Bartolomeo Eustachi wurde zwischen 1500 und 1524 in San Severino Marche, einer kleinen Stadt im Zentrum von Italien geboren. Er erhielt von seinem Vater Mariano, einem Arzt aus einer Adelsfamilie, eine klassische Ausbildung in Griechisch, Hebräisch und Arabisch.
Dass man älter geworden ist, merkt man beispielsweise daran, dass in einer Gruppe von 16 Leuten, die sich zufällig (nämlich aus Anlass einer Vorbesprechung für eine Art Vereinsanlass) zu einem Nachtessen zusammengefunden haben, eine Hämophilie, zwei Diabetes mellitus Typ 2, zwei Multiple Sklerosen, vier implantierte Hüftprothesen, zwei noch zu operierende Hüften, mindestens drei Gonarthrosen, jede Menge Lumbalgien, ein Kolonkarzinom, ein Gliom des Rückenmarks, ein Parkinson, eine erfolgreich behandelte chronische Hepatitis C, mehrere Hypertonien und koronare Herzkrankheiten und jede Menge Bagatellen, vom Colon irritabile über die Epicondylitis bis zur Prostatahayperplasie, Gesprächsthema sind. Wenn man bedenkt, dass das nur die Diagnosen jener waren, die im Laufe des Abends – zwischen Crostini und Zabaione – zufällig auf ihre dem Vereinszweck mehr oder weniger hinderlichen Bresten zu reden kamen, wundert man sich nicht mehr über die Kosten unseres Gesundheitswesens.
Gar nicht so einfach, herauszufinden, wie viele Ärzte schon mal Bundesrat waren. Von den 116 Bundesräten, die die Schweiz seit 1848 regierten, waren oder sind über 60 Prozent Juristen (nie sassen weniger als 2 Juristen gleichzeitig im Bundesrat!), mindestens 7 waren Bauern oder mit dem Bauernstand verbunden (Emil Frey, ein abenteuerlustiger US-schweizerischer Doppelbürger, der später Redaktor der «Basler Nachrichten» wurde; Rudolf Minger, Gründer der BGB; Paul Chaudet, Weinbauer mit Mirage-Affäre; Friedrich Traugott Wahlen, Agronom; Christoph Blocher, zwar Bauer, aber mehr noch Jurist; Ueli Maurer, Ex-Geschäftsführer des Bauernverbands; Guy Parmelin, Weinbauer). Die Statistiken weisen darüber hinaus alle Fakten aus, die bei der Wahl eines Bundesrats eine Rolle spiel(t)en:
So wie’s Ewiggestrige gibt, die am Althergebrachten hängen, auch wenn’s Besseres gäbe, gibt’s Ewigmorgrige, die alles Neue toll finden, auch wenn’s Schrott ist.
Eigentlich keine schlechte Idee: Wenn das Gesundheitswesen als Ganzes zu teuer wird und gespart werden muss, dann … müssen alle, die in diesem Gesundheitswesen tätig sind und von ihm profitieren, ihren Sparbeitrag leisten. Klar, allen voran die Ärztinnen und Ärzte mit eigener Praxis. Die haben während 20 Jahren auf den Teuerungsausgleich verzichtet, akzeptiert, dass die Taxpunktwerte gesenkt wurden, leben mit schwindenden Margen beim Verkauf von Medikamenten, verrechnen weniger für Laboranalysen und Röntgen und last, but not least lassen sich immer mehr nicht entschädigte administrative Arbeiten aufhalsen. Ein bisschen spart auch die Pharma-industrie, deren Medikamente nicht teurer, sondern von Jahr zu Jahr billiger werden. Und weiter? Wie weiter?