Prof. Dr. med. Daniel Franzen: Innere Medizin / Pneumologie
«Bitte gezielt nach Exazerbationen fragen!»
«Bitte gezielt nach Exazerbationen fragen!»
Auf dem diesjährigen Jahreskongress der European Respiratory Society (ERS) wurden zahlreiche neue Daten zur Diagnostik und Therapie chronisch entzündlicher Atemwegserkrankungen vorgestellt. Prof. Dr. Jörg Leuppi, Kantonsspital Baselland, hob im Gespräch insbesondere Neuerungen bei den Bronchiektasen, aktuelle Studien zu Biologika bei schwerem Asthma sowie einen Blick auf die Eosinophilie bei COPD hervor. Etliche der Ergebnisse sind geeignet, therapeutische Gewohnheiten in Klinik und Praxis zu hinterfragen.
Seit Februar 2025 ist Dupilumab in der Schweiz als erstes Biologikum für die Behandlung der unkontrollierten COPD mit erhöhten Eosinophilen (≥ 300 Zellen/μl) zugelassen. Für den Anti-IL5-Antikörper Mepolizumab liegen positive Phase-III-Daten vor. Gleichzeitig werden mit anderen Biologika in der Indikation COPD Misserfolge in Studien gemeldet. Ein relevantes Problem dürfte die Identifikation von Patienten mit T2-Inflammation darstellen.
Die idiopathische Pulmonalfibrose und andere progrediente, fibrosierende interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) haben nach wie vor eine ungünstige Prognose. Die aktuell verfügbaren Therapien können allenfalls die Progression verlangsamen. Entsprechend hoch ist der Bedarf nach neuen, besser wirksamen Behandlungen. Zahlreiche Ansätze werden erforscht – mit zwei Substanzen (Nerandomilast und Treprostinil) wurden kürzlich in Phase-III-Studien erfreuliche Ergebnisse erzielt.
Asthma bronchiale lässt sich heute bei der überwiegenden Mehrzahl der Betroffenen gut kontrollieren. Voraussetzung dafür ist jedoch eine korrekte Diagnose. Dabei spielen Biomarker eine immer grössere Rolle. Sie bestätigen nicht nur den klinischen Verdacht, sondern weisen auch den Weg zu einer optimalen Biologikatherapie. Aktuelle Daten sprechen sogar für einen krankheitsmodifizierenden Effekt einer konsequenten Behandlung.
Lungenkrebs bei Nichtrauchern rückt aufgrund seiner steigenden Inzidenz zunehmend in den Fokus der onkologischen Forschung. Während Tabakkonsum weiterhin der Hauptauslöser von Lungenkarzinomen bleibt, rücken bei Nichtrauchern Umweltfaktoren, Strahlenexposition und genetische Prädispositionen stärker in den Vordergrund. Therapeutisch profitieren diese Patienten häufig von zielgerichteten Ansätzen wie Tyrosinkinasehemmern, schreiben die Autoren eines aktuellen Reviews.
Bei jungen Erwachsenen mit Lungenkrebs sind Fragen zu molekularer Testung ebenso zu beantworten wie solche zu Fertilität und psychosozialer Unterstützung. Die am ESMO-Kongress vorgestellten Daten unterstreichen die Bedeutung einer integrierten, multidisziplinären Versorgung.
Das niedrigdosierte Computer-Tomografie-Screening ist laut aktuellen Studien eine wirksame Präventionsstrategie gegen Lungenkrebs, mit stärkerem Nutzen als jede Form der Rauchstopp-Intervention. Auf Basis dieser Evidenz steigt auch die Zahl entsprechender Programme in Europa.
Dr. Carolin Steinack vom Universitätsspital Zürich (USZ) führte in ihrer Präsentation am Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Pneumologie (SGP) in Genf durch aktuelle Daten, technische Entwicklungen und klinische Fallbeispiele. Dabei zeigte sie deutlich auf, dass die robotergestützte Bronchoskopie (RAB) in Kombination mit Cone-Beam-Computertomographiesystemen (CBCT) nicht nur einen methodischen, sondern vor allem auch einen strategischen Wandel in der pulmonologischen Diagnostik einläuten könnte.
Dr. Carolin Steinack vom Universitätsspital Zürich (USZ) führte in ihrer Präsentation am Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Pneumologie (SGP) in Genf durch aktuelle Daten, technische Entwicklungen und klinische Fallbeispiele. Dabei zeigte sie deutlich auf, dass die robotergestützte Bronchoskopie (RAB) in Kombination mit Cone-Beam-Computertomographiesystemen (CBCT) nicht nur einen methodischen, sondern vor allem auch einen strategischen Wandel in der pulmonologischen Diagnostik einläuten könnte.