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KURZ & BÜNDIG
Antidepressiva verschlechtern Genesung nach Hirnverletzung nicht
Bisher gab es Bedenken, dass serotonerge Antidepressiva das Risiko für Hirnblutungen erhöhen oder die frühe Genesung nach einer traumatischen Hirnverletzung (TBI) erschweren könnten. Eine finnische Registerstudie fand jedoch keine Belege für diese Bedenken. Für die Studie untersuchten die Forscher serotonerge Antidepressiva, die Angstzustände und Depressionen durch Erhöhung der Serotoninaktivität im Gehirn behandeln. Dazu gehörten selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) und trizyklische Antidepressiva (TCAs). Die Studie umfasste 54 876 Personen in Finnland > 16 Jahre, die mit einer TBI hospitalisiert wurden. Davon nahmen 14% zum Zeitpunkt der traumatischen Hirnverletzung serotonerge Antidepres-
siva ein. Insgesamt starben 4105 Personen innerhalb eines Monats nach der Hospitalisierung, darunter 7,6% unter Antidepressiva und 7,5% ohne zeitgleiche Antidepressivatherapie. Antidepressivaanwender benötigten zudem etwas seltener eine Notfall-Gehirnoperation (6,8 vs. 8,6%), um Druck oder Blutungen im Gehirn zu verringern und weitere Schäden zu verhindern. Das entspricht einer Risikoreduktion von 11%. Die Dauer des Spitalaufenthalts war in beiden Gruppen gleich.
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Quelle: Posti J et al.: Impact of Antidepressant Use and Serotonergic Profile on Short-Term Outcome of Traumatic Brain Injury Retrospective Nationwide Cohort Study. Neurology. 2026;106(4):e214602. doi:10.1212/WNL.0000000000214602
32 psychiatrie & neurologie 1 | 2026