Transkript
STUDIE
HPV-Impfung
Neue Cochrane-Reviews bestätigen Wirksamkeit und Sicherheit
Zwei aktuelle Cochrane-Reviews liefern die bislang umfassendste Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) und untermauern die bestehenden Impfempfehlungen – ohne Anhaltspunkte für schwere unerwünschte Wirkungen.
Cochrane Review
Die erste Analyse umfasst 60 randomisiert kontrollierte Studien mit über 157 000 Teilnehmern und bestätigt, dass alle untersuchten Impfstoffe zuverlässig vor persistierenden Infektionen mit den jeweiligen HPV-Typen schützen (1). Zudem reduzieren sie in einem Zeitraum von sieben Jahren nach der Impfung wahrscheinlich die Entwicklung von zervikalen Präkanzerosen. Impfstoffe, die auch gegen die HPV-Typen 6 und 11 gerichtet sind, bieten zusätzlich Schutz vor Genitalwarzen.
Eine zweite, populationsbasierte Übersicht umfasst Daten aus 225 Beobachtungsstudien mit mehr als 132 Millionen Personen aus mehr als 40 Ländern (2). Diese Real-WorldEvidenz zeigt, dass die HPV-Impfung das Risiko für Gebärmutterhalskrebs deutlich senkt – besonders, wenn die Impfung bereits vor dem ersten Kontakt mit dem Virus erfolgte. Für Mädchen, die vor dem 16. Lebensjahr geimpft werden, ist das Risiko, in den nächsten 10 bis 14 Jahren an einem Zervixkarzinom zu erkranken, gegenüber den Nichtgeimpften deutlich reduziert. In mehreren Kohorten zeigte sich eine Risikoreduktion von rund 80% bei frühzeitiger Impfung.
Die Impfstoffe führten meist nur zu kurzfristigen, leichten lokalen Nebenwirkungen. Beide Reviews fanden keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für schwere unerwünschte
Wirkungen, die in den sozialen Medien häufig diskutiert werden, wie Co-Autor Nicolas Henschke von der Cochrane Collaboration in London in einer Medienmitteilung berichtete (3). Zur Krebsvermeidung bei Männern erlauben die Reviews noch keine belastbaren Aussagen, und auch die Frage, ob bei Jüngeren eine Impfdosis ausreichen könnte, lässt sich bisher nicht beantworten.
Die Daten stützen die Empfehlung, Jugendliche möglichst vor Beginn sexueller Aktivität zu impfen. Die HPV-Impfung wird vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) als Basisimpfung für alle Jugendlichen zwischen 11 und 14 Jahren empfohlen. Gleichzeitig bleibt die Teilnahme am ZervixkarzinomScreening weiterhin ratsam, da nicht alle onkogenen HPVTypen durch die verfügbaren Vakzinen abgedeckt sind.
Christine Mücke
Referenzen: 1. Bergman H et al.: Human papillomavirus (HPV) vaccination for the
prevention of cervical cancer and other HPV-related diseases: a network meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev. 2025;11(11):CD015364. doi:10.1002/14651858.CD015364.pub2 2. Henschke N et al.: Effects of human papillomavirus (HPV) vaccination programmes on community rates of HPV-related disease and harms from vaccination. Cochrane Database Syst Rev. 2025;11(11):CD015363. doi:10.1002/14651858.CD015363.pub2 3. Medienmitteilung Cochrane Deutschland vom 24.11.2025
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