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JOURNAL CLUB
Möglicher Zusatznutzen von kardio-renal-metabolischen Therapien auf die Vorhofflimmerinzidenz
Eine medikamentöse Therapie von kardio-renal-metaboli-
schen Erkrankungen kann einem neu auftretenden Vorhof-
flimmern vorbeugen. Welche Pharmakotherapien sich dabei
auf das Risiko eines neu auftretenden Vorhofflimmerns aus-
wirken, war Fragestellung einer Metaanalyse.
Dazu wurden 249 randomisierte klinische Studien (RCTs)
mit 745 041 Patienten herangezogen, in denen die Wirkung
eines nicht antiarrhythmischen kardio-renal-metabolischen
Medikaments mit einer Kontrollgruppe oder einem anderen
Wirkstoff hinsichtlich des Auftretens von Vorhofflimmern
verglichen wurde.
Es wurden 249 RCTs mit 745 041 Patienten einbezogen,
von denen 207 Vorhofflimmern anhand von Berichten über
unerwünschte Ereignisse identifizierten, 161 plazebokon
trolliert waren und 15 Vorhofflimmern als vorab festgelegten
Endpunkt hatten. In plazebokontrollierten Studien (n = 161)
wurden signifikante Unterschiede beim Auftreten von Vorhof-
flimmern beobachtet bei der Behandlung von Herzinsuffizi-
enz mit reduzierter Auswurffraktion (HFrEF) mit ACE-Hem-
mern und Angiotensin-Rezeptorblockern (ARB) (Relative Risk
[RR]: 0,69; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,60–0,80), Mine-
ralokortikoid-Rezeptorantagonisten (MRA) (RR: 0,62; 95%-
KI: 0,43–0,90) und SGLT2-Hemmern (RR: 0,62; 95%-KI:
0,44–0,87), bei der Behandlung chronischer Nierenerkran-
kungen mit SGLT2-Hemmern (RR: 0,53; 95%-KI: 0,33–0,85)
und bei der Behandlung von Adipositas mit GLP-1-Rezeptor
agonisten (GLP-1-RA) (RR: 0,79; 95%-KI: 0,63–0,99). Die
Anzahl der Vorhofflimmerereignisse pro Studie war jedoch
gering, und keine der Studien war hinsichtlich des Auftre-
tens von Vorhofflimmern ausreichend aussagekräftig.
Diese Metaanalyse ist dadurch limitiert, dass es sich über-
wiegend um Post-hoc-Daten handelt, die häufig aus Berich-
ten über unerwünschte Ereignisse stammen und hinsichtlich
der Behandlungseffekte mit Verzerrungen, Über- und Unter-
schätzungen behaftet sind. Die verfügbaren Daten liefern
jedoch hypothesengenerierende Schätzungen für künftige
Studien, dass die Behandlung von HFrEF mit ACE-Hem-
mern/ARB, MRA und SGLT2-Hemmern, die Behandlung
von chronischer Nierenerkrankung mit SGLT2-Hemmern
und die Behandlung von Adipositas mit GLP-1-RA mit einer
relativen Risikoreduktion für das Auftreten von Vorhofflim-
mern einhergehen könnte, so die Schlussfolgerung der Stu-
dienautoren.
vh
Quelle: Raveendra K et al.: Non-antiarrhythmic pharmacotherapy in cardio- renal-metabolic disease and incident atrial fibrillation: a trial meta-analysis. Eur Heart J. 2026 Jan 28:ehag021. doi:10.1093/eurheartj/ehag021
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