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Angst, Depression, ADHS
Hohe Bildschirmzeit schadet der psychischen Gesundheit von Kindern
Eine aktuelle Analyse repräsentativer US-Daten zeigt: Kinder und Jugendliche, die täglich mehr als vier Stunden vor Bildschirmen verbringen, haben ein deutlich höheres Risiko für psychische Störungen. Die Untersuchung basiert auf Daten von über 50 000 Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren aus dem United States National Survey of Children’s Health 2020–2021.
(Foto: lzf/istock)
Im Vergleich zu Gleichaltrigen mit weniger als zwei Stunden
Bildschirmzeit pro Tag stieg das Risiko für Angststörungen,
Depressionen, Verhaltensauffälligkeiten und ADHS: Nach
Berücksichtigung soziodemografischer und familiärer Fak-
toren ergaben sich adjustierte Odds Ratios von 1,45 für
Angststörungen, 1,61 für Depressionen und 1,21 für ADHS.
Die Forscher untersuchten, welche Rolle dabei Bewegung,
Schlafdauer und regelmässige Bettgehzeiten spielen. Man-
gelnde körperliche Aktivität wirkte sich am stärksten aus:
Sie erklärte bis zu 39% des Zusammenhangs. Auch unre-
gelmässige Bettgehzeiten leisteten einen erheblichen Bei-
trag, während verkürzter Schlaf einen geringeren Effekt hatte.
Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig eine gezielte Beratung
ist: Neben der Begrenzung der Bildschirmzeit sollten regel-
mässige Bewegung und stabile Schlafroutinen aktiv geför-
dert werden. Anstelle von Verboten empfehlen die Autoren,
die Nutzung zu begrenzen, den Umgang mit digitalen Me-
dien zu schulen und offene Gespräche zu führen. So lernen
Kinder, digitale Geräte sinnvoll zu nutzen, was ihrer psychi-
schen Gesundheit zugutekommt.
Mü
Zur Originalpublikation: Dai Y et al.: Excessive screen time is associated with mental health problems in US children and adolescents: physical activity and sleep as parallel mediators. Humanit Soc Sci Commun. 2026. https://doi.org/10.1057/s41599-026-06609-1
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