Prof. Dr. med. Stephan Vavricka: Gastroenterologie
«Reizdarm gilt neu als Positivdiagnose»
«Reizdarm gilt neu als Positivdiagnose»
Die Lebensqualität von Patienten mit diarrhölastigem Reizdarmsyndrom ist sehr beeinträchtigt. Zur Linderung gibt es einige Optionen, angefangen bei der Ernährungsüberprüfung über die medikamentöse Behandlung bis hin zur Verhaltenstherapie. Was schliesslich funktioniere, sei bei jedem Patienten anders, berichtete Prof. Dr. Peter J. Whorwell, Wythenshawe Hospital, Manchester (UK), am Jahreskongress der United European Gastroenterologists (UEG-Week).
Die Lebensqualität von Patienten mit diarrhölastigem Reizdarmsyndrom ist sehr beeinträchtigt. Zur Linderung gibt es einige Optionen, angefangen bei der Ernährungsüberprüfung über die medikamentöse Behandlung bis hin zur Verhaltenstherapie. Was schliesslich funktioniere, sei bei jedem Patienten anders, berichtete Prof. Dr. Peter J. Whorwell, Wythenshawe Hospital, Manchester (UK), am Jahreskongress der United European Gastroenterologists (UEG-Week).
Reizmagen und Reizdarm können die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Beides sind Ausschlussdiagnosen, bei denen an viele Differenzialdiagnosen gedacht werden muss. Die Therapie bei Reizdarm, besteht in einer Stufentherapie, an deren Anfang eine Ernährungsumstellung steht. Auch Phytotherapeutika könnten hier gute Dienste leisten, erklärte Prof. Stephan Vavricka, Zentrum für Gastroenterologie und Hepatologie, Zürich, am Forum für medizinische Fortbildung (FOMF) Allgemeine Innere Medizin in Zürich.
Ursachen, Diagnostik, Therapiemöglichkeiten
Der Reizdarm, auch «irritable bowel syndrom» (IBS) genannt, ist eine sehr häufige Erkrankung. Sie führt zu eingeschränkter Lebensqualität für die Patientinnen und Patienten und zu hohen Kosten für das Gesundheitswesen. Das Verständnis für die Krankheit hat sich weiterentwickelt; so wird vor allem der gestörten Interaktion des Darms mit dem Gehirn eine wichtige Rolle bei der Pathogenese zugeschrieben. Die heutigen Kenntnisse haben auch die Wahl der Therapien erweitert.
In der Therapie des Reizdarms gibt es bislang keine empfohlene Standardbehandlung. Bei Patienten mit Diarrhö als Hauptsymptom ist das der häufigste Grund für das Fernbleiben von der Arbeit. Mit einer Kombination aus Polysacchariden, Präbiotika, Proteinen und Tanninen kann eine Symptomlinderung erreicht werden, wie eine Cross-over-Studie nahelegt.
Da die Ursachen des Reizdarmsyndroms bis anhin nicht vollständig bekannt sind, ist die Verbesserung der Beschwerden das wichtigste Behandlungsziel. In einer Netzwerkmetaanalyse hat sich Pfefferminzöl zur Linderung der allgemeinen Symptome im Vergleich zu trizyklischen Antidepressiva und Spasmolytika als wirksamste und als gut verträgliche Option erwiesen (1).
Gleich drei neue Guidelines wurden vor Kurzem in der Gastroenterologie publiziert. Sie befassen sich mit der Zöliakiediagnose, mit neuen Algorithmen für Diagnose und Behandlung bei gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) im Säuglings- und Kindesalter und mit der Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die unter dem Reizdarmsyndrom leiden.
Reizdarm ist ein häufiges Leiden. Eine sorgfältige Abklärung mit Ausschluss aller Alarmsymptome bereitet den Boden für die Therapie. Realistische Ziele und eine gute Arzt-Patienten-Beziehung unterstützen den Therapieerfolg. In der Therapie ergänzt ein neues Phytotherapeutikum die medikamentösen Optionen.
Zwei Drittel der Patienten haben «nichts»
Chronische abdominelle Beschwerden sind häufig, aber nur bei zirka einem Drittel der Betroffenen findet sich eine organische Ursache. Wie man in der Praxis keine Diagnose verpasst und was bei funktionellen chronischen Bauchbeschwerden hilft, erläuterte PD Dr. Benjamin Misselwitz an einer Tagung in Bern.