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EDITORIAL
TARDOC und Tageskliniken
Seit Januar 2026 ist der neue Arzttarif TARDOC in Kraft getreten. Was sich für Psychiater und Neurologen ändert, ist Thema in dieser Ausgabe.
Für die Psychiatrie bzw. Hausarztmedizin, Pädiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Erwachsenenpsychiatrie haben dies Dr. Rosilla Bachmann, Präsidentin der Ständigen Tarifkommission FMPP, und Kollegen zusammengefasst. Der neue Tarif birgt gemäss ihrer Auffassung sowohl Chancen wie auch Risiken, kann aber als revisionsfähiger Tarif regelmässig aktualisiert und an die Versorgungsrealität angepasst werden.
Für den Bereich Neurologie traten nebst TARDOC-Einzelleistungen über 300 ambulante Pauschalen in Kraft. Diese umfassen mitunter Kontaktpauschalen, Pauschalen für ambulante chirurgische Eingriffe, Interventionen, nuklearmedizinische Untersuchungen und ambulante Behandlungen. Die wichtigsten Neuerungen des Abrechnungstarifs in der Neurologie betreffen, beleuchtet Prof. Alexander Tarnutzer, Kantonsspital Baden.
Ein weiteres Thema dieser Ausgabe sind Tageskliniken. Sie stellen ein niederschwelliges Angebot in der Psychiatrie dar, um bereits früh intervenieren zu können. Zum einen beschreibt Miriam Weber, UPK Basel, Konzept und Praxis einer diagnostisch-therapeutischen Tagesklinik für Kinder, was
insbesondere im frühen und mittleren Kindesalter eine enge Verzahnung therapeutischer Interventionen mit dem familiären und sozialen Alltag ermöglicht. Denn psychische Symptome im Kindesalter sind mit ungünstigen Beziehungserfahrungen und Interaktionsdynamiken eng verknüpft. Eine konzeptionell breit angelegte und alltagsnahe Elternarbeit, wie Elterngespräche, Interaktionsarbeit, aufsuchendes Coaching, ist daher zentraler Bestandteil der Behandlung.
Bei Adoleszenten ist die psychiatrische Behandlung dagegen schwieriger, denn klinisch relevante Beeinträchtigungen können in dieser Lebensphase keiner klaren dia gnostischen Kategorie zugeordnet werden. Zu früh gestellte Diagnosen sind mitunter wenig valide und können zu Stigmatisierung führen. Philipp Sterzer, UPK Basel, stellt einen neuen transdiagnostischen tagesklinischen Behandlungsansatz vor, der auf eine syndrom- und problemorientierte statt auf eine primär diagnosebasierte Versorgung abzielt.
Wir wünschen Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre
Valérie Herzog, Redaktion
psychiatrie & neurologie 1 | 2026
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