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Medikamentenadhärenz
Apps kein Ersatz für Gesundheitsfachpersonen
Bis zur Hälfte derjenigen, die regelmässig auf Medikamente angewiesen sind, nehmen diese langfristig nicht wie verordnet ein. Das kann gesundheitliche Folgen für die Betroffenen haben und das Gesundheitssystem belasten: Einer länderübergreifenden Review zufolge entstehen jährlich zusätzliche Kosten von 950 bis 44 000 US-Dollar pro Person durch Non-Adhärenz, so die Pharmazeutin Dr. Kirstin Messner in einer Medienmitteilung der Universität Basel. Inwieweit digitale Anwendungen die Medikamenteneinnahme unterstützen können, war Gegenstand ihrer Dissertation. Für die Untersuchung analysierte sie neun frei verfügbare Apps zur Unterstützung der Medikamenteneinnahme. Bewertet wurden verschiedene Funktionen, darunter Einnahmehistorie, Diagramme zur Darstellung des Einnahmeverlaufs, statistische Auswertungen, Belohnungssysteme zur Motivation sowie Möglichkeiten zum Export der erhobenen Daten.
In einem zweiten Schritt identifizierte die Pharmazeutin mit zwei Fokusgruppen zusätzliche Funktionen, die aus Sicht der Anwender besonders wichtig wären. Dazu zählen insbesondere professionelles Feedback zur Therapie, zusätzliche Empfehlungen oder medizinische Informationen sowie die Möglichkeit, erhobene Daten mit einer Gesundheitsfachperson zu besprechen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten digitale Anwendungen zwar als Unterstützung nutzen möchten, gleichzeitig aber den persönlichen Austausch mit Fachpersonen als zentral erachten. Eine Online-Befragung mit 60 Teilnehmern bestätigte diese Einschätzung: Die Funktionen, die einen Kontakt zu Gesundheitsfachpersonen ermöglichen oder erleichtern, wurden von den Befragten als mittel bis hoch relevant bewertet. Als wichtigste Eigenschaft einer Adhärenz-App erwies sich die Dokumentation der Einnahmehistorie. Belohnungssysteme wurden dagegen als vergleichsweise wenig relevant eingeschätzt.
Die Autoren betonen daher, dass digitale Anwendungen ihr Potenzial vor allem dann entfalten können, wenn sie sinnvoll in bestehende Versorgungsstrukturen integriert werden. Statt Gesundheitsfachpersonen zu ersetzen, sollten sie die Betreuung ergänzen und beispielsweise den Austausch zwischen Patienten und Fachpersonen unterstützen. Mü
Medienmitteilung der Universität Basel vom 9. März 2026
Zur Originalpublikation: Messner K et al.: Exploring the Fit Between the Outputs of Freely Available Medication Adherence Apps and Users' Needs: Mixed Methods Study. JMIR Mhealth Uhealth. 2025;13:e68919. doi:10.2196/68919
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