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EDITORIAL
Lifestyleänderungen besser verkaufen
Es gibt nichts Schwierigeres, als liebge wonnene Gewohnheiten zu ändern. Patienten, die aus kardiovaskulären Gründen ihren Lebensstil anpassen müs sen, tun sich sehr schwer damit. Denn die geforderten Veränderungen betreffen viele Lebensbereiche gleichzeitig: Viel mehr be wegen, viel weniger essen, Ernährung mög licherweise komplett umstellen, anders einkaufen, ... Das überfordert manche und lässt sie nach kurzer Zeit frustriert in Streik treten.
Es gibt aber eine gute Nachricht: Auch kleine Lebensstilveränderungen bringen schon viel.
Neue Studienergebnisse aus einer pro spektiven Kohortenanalyse mit 53 242 Teil nehmern aus der UK Biobank zeigen, dass bereits kleine, kombinierte Verbesserungen in den Bereichen Schlaf, Ernährung und körperliche Aktivität das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfark te, Hirnschläge und Herzinsuffizienz sen ken können.
Täglich 11 Minuten länger zu schlafen, sich 4,5 Minuten länger moderat bis inten siv körperlich zu betätigen und ein Viertel Cup (ca. 40 g) mehr Gemüse zu essen, ging mit einem 10% geringeren Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse einher (1).
Eine optimale Kombination von Verhal tensweisen bestand aus acht bis neun Stun den Schlaf pro Nacht, mindestens 42 Minu ten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität pro Tag und einem moderaten Wert für die Ernährungsqualität. Diese Kombina tion war im Vergleich zu Personen mit dem am wenigsten optimalen Gesundheitsprofil mit einem um 57% geringeren Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereig nisse verbunden (1).
Kleinere, kombinierte Verhaltensände rungen irgendwo zwischen «optimal» und «am wenigsten optimal» sind damit auch schon nutzbringend und wahrscheinlich leichter umsetzbar und nachhaltiger als eine grössere Änderung bei einer einzelnen Verhaltensweise. Vielleicht lassen sich mit diesen Erkenntnissen Lebensstilverände rungen bei den Patienten besser verkaufen und von diesen auch besser umsetzen.
Valérie Herzog
Referenz: 1. Koemel NA et al.: Combined variations in sleep,
physical activity, and nutrition and the risk of major adverse cardiovascular events. Eur J Prev Cardiol. Published online March 23, 2026. doi:10.1093/eurjpc/zwag141
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