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Kognition und Psyche
Erhöhtes Alkohol-Mindestalter
verbessert Entwicklung
Alkoholkonsum im Jugendalter ist mit relevanten Risiken
für die neurokognitive Entwicklung und die psychische Ge-
sundheit assoziiert. Trotz eines rückläufigen Trends liegt
der Alkoholkonsum unter europäischen Jugendlichen wei-
terhin auf hohem Niveau. In einer europaweiten Befragung
gab fast die Hälfte der 15- bis 16-Jährigen an, im vergan-
genen Monat Alkohol konsumiert zu haben, rund 30% ex-
zessiv. Eine aktuelle Studie der Universität Zürich zeigt,
dass eine restriktivere Alkoholgesetzgebung sowohl die
schulischen Leistungen als auch die psychische Gesund-
heit verbessern kann. Die Forscher analysierten das Trink-
verhalten Jugendlicher sowie dessen Auswirkungen in vier
spanischen Regionen. In diesen wurde in den letzten 20 Jah-
ren die Alkoholgesetzgebung verschärft, sprich das gesetz-
liche Mindestalter für den Konsum erhöht, sowie Verkauf
und Bewerbung stärker reguliert. Durch den gestaffelten
Zeitpunkt der Reformen konnten Vorher/Nachher-Verglei-
che durchgeführt werden. Die Analyse basiert auf Daten
von rund 250 000 Schülern, 180 000 PISA-Teilnehmern
sowie 600 000 Personen aus der Volkszählung.
Nach Einführung der strengeren Regelungen sank bei
Jugendlichen im Alter von 14–17 Jahren die Wahrschein-
lichkeit eines Rauschzustands im Vormonat um 7–17%,
das Rauschtrinken insgesamt um rund 14%. Parallel dazu
verbesserten sich die schulischen Leistungen signifikant:
Die PISA-Ergebnisse stiegen im Mittel um 4%, was etwa
zwei zusätzlichen Monaten Schulbildung entspricht.
Auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Jugendlichen Me-
dikamente gegen Angststörungen und Schlaflosigkeit ein-
nahmen, sank in den betroffenen Regionen um rund 10%.
Bemerkenswert sei, dass diese Effekte ohne relevante Ver-
änderungen anderer Verhaltensweisen auftraten. Dies spre-
che für einen direkten neurokognitiven Effekt reduzierten
Alkoholkonsums in der Adoleszenz, so die Autoren.
Für die Schweiz, wo 16-Jährige legal Bier und Wein kon-
sumieren dürfen und die Trinkprävalenz über dem EU-
Durchschnitt liegt, sind die Ergebnisse gesundheitspolitisch
interessant. Eine Erhöhung des Alkohol-Mindestalters
könnte ein kosteneffizientes Instrument zur Förderung der
kognitiven und psychischen Gesundheit Jugendlicher dar-
stellen, konstatieren die Autoren.
Mü
Medienmitteilung der Universität Zürich vom 16.12.2025
Zur Originalpublikation: Bagués M, Villa C: Minimum legal drinking age and educational outcomes. J Health Econ. 2025;104:103078. doi:10.1016/j.jhealeco.2025.103078
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