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EDITORIAL
Die Welt ist aus den Fugen
Das Zitat «Die Welt ist aus den Fugen» stammt aus der Hörspiel-Reihe «Die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney». Das muss man aus gesundheitspolitischer Sicht befürchten, wenn man an die durchaus haarsträubenden Massnahmen bezüglich Impfempfehlungen in den USA seit Amtsübernahme des Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. denkt. Erst hat er die 17 unabhängigen Impfexperten des Advisory Committee on Immunization Practices der U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) komplett ausgetauscht und mit ihm genehmen neuen Personen besetzt, von denen viele Kennedys impfskeptische Grundeinstellung teilen und deren fachliche Kompetenz von bedeutsamen medizinischen Fachgesellschaften angezweifelt wird. Der nächste Paukenschlag liess nicht lange auf sich warten. Wie der Direktor der CDC am 5. Januar 2026 bekanntgab, verlieren 6 der bisher 17 allgemein bei Kindern und Jugendlichen empfohlenen Impfungen, nämlich diejenigen gegen RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus), Rotaviren, Hepatitis A und B sowie gegen Meningokokken ACWY und B, den Empfehlungsstatus. Lediglich auf expliziten Wunsch der Eltern dürften sie noch an Kinder verabreicht werden, ergänzte der amtierende Präsident der USA auf seinem Social-Media-Kanal. Daraufhin folgte ein Sturm der Entrüstung in den US- und internationalen Medien. Prominente Fachgesellschaften, darunter die American Academy of Pediatrics (AAP) und die Infectious Disease Society of America (IDSA) haben
sich zusammengeschlossen und wollen gegen diesen Entscheid juristisch vorgehen. Ihnen ist Erfolg zu wünschen, denn diese Hauruckaktion droht kurz-, mittel- und langfristig grossen Schaden anzurichten – nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Ländern, wenn dort Nachahmer es den USA gleichtun oder auch nur Infektionen aus den USA in grösserem Umfang exportiert werden.
Geradezu wohltuend ist hingegen die Tatsache, dass das gewachsene Potenzial an möglichen Impfpräventionen in der Schweiz in jüngster Zeit für erweiterte Impfempfehlungen genutzt wird. Wer am XIII. Schweizer Impfkongress in Basel im November 2025 teilgenommen hat, kann dies bezeugen. Ausgewählte Kongressbeiträge hat ARS MEDICI übrigens für Sie zusammengefasst – in der vorliegenden Ausgabe finden Sie die ersten Berichte. Diese möchte ich Ihnen zur gewinnbringenden Lektüre ans Herz legen. Bestimmt motivieren sie Sie, die Umsetzungen der Impfempfehlungen in Ihrer Praxis zu optimieren. Ihre Patientinnen und Patienten werden es Ihnen danken.
Ihr Ulrich Heininger
Prof. Dr. med. Ulrich Heininger Infektiologie und Vakzinologie Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) Beirat ARS MEDICI
ars medici 1 | 2026
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