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POSTPARTALE BETREUUNG
EDITORIAL
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen
Schwangerschaft und Geburt sind Teil einer Lebensphase, welche über Jahre hinweg entscheidend für die Gesundheit von Frauen sein kann. Postpartale Betreuung bedeutet daher mehr als eine kurze Postpartum-Kontrolle nach sechs Wochen. Während die klassischen Themen wie Verhütung, Stillprobleme und gegebenenfalls Kontinenzbeschwerden häufig im Vordergrund stehen, bedürfen weitere somatische und psychische Aspekte einer systematischen Evaluation, um eine langfristige Gesundheit der Frauen zu gewährleisten. In dieser Ausgabe der «Schweizer Zeitschrift für Gynäkologie» möchten wir Ihnen einen Überblick über wichtige Aspekte für die geburtshilfliche Nachsorge geben.
Das Bewusstsein für die subjektive Wahrnehmung der Geburt im Hinblick auf die psychische Gesundheit der Mutter hat in den vergangenen Jahren immer mehr Aufmerksamkeit gewonnen. So stellt die als traumatisch erlebte Geburt einen grossen Risikofaktor für die psychische Gesundheit der ganzen Familie dar und kann zahlreiche Langzeitfolgen verursachen. Einer frühzeitigen Erkennung durch sensibles Nachfragen und gegebenenfalls der Anwendung von spezifischen Fragebögen sollte im Rahmen der postpartalen Betreuung ausreichende Aufmerksamkeit eingeräumt werden, um chronische Verläufe zu verhindern.
Laktationsprobleme sind häufig und für Mütter psychisch und körperlich oft sehr belastend. Eine Kenntnis der Ursachen von
Symptomen kann eine zeitnahe, erfolgreiche Behandlung sichern und langwierige belastende Verläufe vermeiden. Die Thematik der Familienplanung geht über die Besprechung von Verhütungsmöglichkeiten hinaus und sollte auch eine Empfehlung für mögliche Schwangerschaftsintervalle wie auch eine Aufklärung über die Risiken einer CMV-Infektion beim Kontakt mit Kleinkindern beinhalten.
Schwangerschaftskomplikationen sind schliesslich ein «Stresstest» für den Körper. Präeklampsie, Gestationsdiabetes oder Frühgeburt erhöhen das spätere kardiometabolische Risiko und verlangen eine konsequente Nachsorge.
Postpartale Medizin ist Prävention und GynäkologInnen haben eine hohe Verantwortung, damit aus einem Ereignis keine lebenslange Belastung wird. Ein strukturierter Prozess mit individueller Risikostratifizierung im Rahmen der postpartalen Betreuung hilft, die relevanten Problematiken zu erkennen, einer geeigneten Behandlung zuzuführen und Chronifizierung zu vermeiden.
Ich wünsche Ihnen eine spannende und lehrreiche Lektüre.
Ihr Prof. Dr. med. Leonhard Schäffer Klinik für Geburtshilfe & Pränataldiagnostik Kantonsspital Baden
Die Schweizer Zeitschrift für GYNÄKOLOGIE ist nach den Weiter-/Fortbildungsschwerpunkten des Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) der FMH ausgerichtet.
Schweizer Zeitschrift für GYNÄKOLOGIE 01/2026:
Gynäkologische Onkologie/gynäkologische Senologie Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie Operative Gynäkologie und Geburtshilfe Fetomaternale Medizin Urogynäkologie
gynäkologie 1 | 2026
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