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JOURNAL CLUB
Keine psychischen Schäden durch Tirzepatid
Der GIP-/GLP-1-Rezeptoragonist Tirzepatid (Mounjaro®) führte in den SURMOUNT-1-, SURMOUNT-2-, und SURMOUNT3-Studien mit übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen mit und ohne Typ-2-Diabetes zu einer klinisch signifikanten Gewichtsabnahme; jedoch blieben Bedenken hinsichtlich seiner möglichen Auswirkungen auf Depressionen und Suizidgedanken oder -verhalten bestehen. In den Studien hatten die Teilnehmer entweder einmal wöchentlich Tirzepatid s.c. (5, 10 oder 15 mg) oder Plazebo erhalten.
In einer gepoolten Post-hoc-Analyse der Daten aus diesen drei Studien mit gesamthaft 4056 Teilnehmern wurde nun die psychiatrische Sicherheit von Tirzepatid bei übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen mit oder ohne Typ-2-Diabetes und ohne bekannte schwere Psychopathologie untersucht. Depressive Symptome oder suizidales Denken oder Verhalten wurden anhand des Patient Health Questionnaire-9 (PHQ-9) für Depressionen und der Columbia-Suicide Severity Rating Scale für Suizidgedanken und -verhalten bewertet. Ein PHQ9-Score ≥ 15 führt in der Regel zu einer Überweisung an einen Psychiater.
Die mittleren Depressionswerte lagen zu Beginn der Studie bei 2,7 in der Tirzepatid-Gruppe vs. 2,6 in der Plazebo gruppe und sanken bis Woche 72 auf 1,9 bzw. 2,4. Patienten aus der Tirzepatid-Gruppe rutschten signifikant seltener in eine schwerere PHQ-9-Kategorie der Depression als Patienten aus der Plazebogruppe (18,2 vs. 24,3%; p < 0,001). 1,2% der Teilnehmer unter Tirzepatid erreichten einen PHQ9 von ≥ 15, unter Plazebo waren dies 2,3%. Die Raten von Suizidgedanken blieben in beiden Gruppen ähnlich tief (0,6%), nicht tödliches Suizidverhalten trat bei 0,1% der Teilnehmer der Tirzepatid-Gruppe auf, in der Plazebogruppe bei niemandem. Der Anteil der Teilnehmer, die über mindestens ein psychiatrisches unerwünschtes Ereignis (6,8% gegenüber 8,2%) oder eine Störung des Nervensystems (15,8% gegenüber 13,0%) berichteten, war in der Tirzepatid- und der Plazebogruppe ähnlich.
Die Ergebnisse aus dieser Analyse deuten darauf hin, dass unter Tirzepatid kein erhöhtes Risiko für Depression zu bestehen scheint. Die Autoren regen aber eine kontinuierliche Überwachung der psychischen Gesundheit an, um Patienten mit erhöhtem Risiko für psychiatrische Ereignisse identifizieren zu können, ähnlich den Patientengruppen, die sich einer metabolischen oder bariatrischen Operation unterziehen. vh
Quelle: Wadden TA et al.: Psychiatric Safety of Tirzepatide in People With Obesity and No Known Major Psychopathology: A Post Hoc Analysis of SURMOUNT. Obesity (Silver Spring). Published online January 15, 2026. doi:10.1002/oby.70122
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