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Antibiotikaprophylaxe vor chirurgischen Eingriffen
Nicht alle Alternativen sind gleich gut
Eine von der Universität Luzern geleitete Studie mit über 340 000 Patienten zeigt: Wird bei Operationen anstelle der üblichen β-Lactam-Antibiotika ein alternatives Antibiotikum verabreicht – etwa wegen einer vermuteten Allergie –, steigt das Risiko für eine Wundinfektion deutlich. Zu diesem Ergebnis kam ein institutionenübergreifendes Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Rami Sommerstein, Lehrund Forschungsbeauftragter an der Universität Luzern und Facharzt Infektiologie und Spitalhygiene an der Hirslanden Klinik St. Anna. Involviert waren Mitarbeiter der Universitäten Bern und Basel, der Universitätsspitäler Genf, Basel und Bern sowie des Spitals Wallis in Sion.
Ihre Kohortenstudie umfasst 348 885 Patienten aus 175 Schweizer Spitälern, die sich einem von zehn grösseren Eingriffen unterzogen hatten; 5949 erhielten kein β-LactamAntibiotikum. Cephalosporine auf β-Lactam-Basis gelten für die Prophylaxe postoperativer Wundinfektionen bei den meisten chirurgischen Eingriffen als Standard. Doch bei rund 2% der untersuchten Fälle wurde auf Alternativen wie Clindamycin, Vancomycin oder Ciprofloxacin ausgewichen – meist aufgrund einer gemeldeten Allergie. Die Ergebnisse sind eindeutig: Das Risiko für eine Infektion war in diesen Fällen fast doppelt so hoch, und das unabhängig vom Eingriff oder vom verwendeten Wirkstoff.
Dabei sind Kreuzallergien mit den Penicillin-β-Laktamen selten, zudem können sich β-Lactam-Allergien im Lauf der Zeit spontan zurückbilden, wie die Autoren erinnern. Vor der prophylaktischen Verabreichung von Antibiotika sollten Patienten mit selbst gemeldeter oder unzureichend dokumentierter β-Lactam-Allergie daher sorgfältig beurteilt und sämtliche Nicht-β-Lactam-Antibiotika, wenn immer möglich, vermieden werden.
Die Erkenntnisse belegen den klinischen Nutzen einer standardisierten Qualitätssicherung, wie sie durch Swissnoso im Auftrag des Kompetenzzentrums für Qualitätsmessungen (ANQ) durchgeführt wird. Zur Überwachung der chirurgischen Wundinfektionen gehört auch eine Befragung der Patienten im Anschluss an den Spitalaufenthalt. Mü
Medienmitteilung der Universität Luzern vom 4.11.2025 Zur Originalpublikation: Largiadèr S et al.: β-Lactam vs Non-β-Lactam Antimicrobial Prophylaxis and Surgical Site Infection. JAMA Netw Open. 2025;8(10):e2540809. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.40809
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