Prof. Dr. med. Stephan Vavricka: Gastroenterologie
«Reizdarm gilt neu als Positivdiagnose»
«Reizdarm gilt neu als Positivdiagnose»
Hat die Dauer einer Morbus-Crohn-Erkrankung Einfluss auf den Therapieerfolg? Welche Rolle spielt die Vorbehandlung? Sollte bei einem Nachlassen der Effektivität mit der gleichen Substanz intensiviert werden, oder ist ein Wirkstoffwechsel sinnvoller? Haben Perianalfisteln Einfluss auf den Wirkspiegel von TNF-Inhibitoren? Am Jahreskongress der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) in Berlin wurden solche und viele weitere Fragen gestellt – und zumindest teilweise auch beantwortet.
Welche Biologika sich für wen eignen, welche Reihenfolge sich anbietet und welche Neuigkeiten es zu den Biologika gibt, stellte Prof. Siddharth Singh, IBD-Center, University of California San Diego, La Jolla (USA), am Jahreskongress der United European Gastroenterologists (UEG-Week) vor. Er plädierte auch dafür, sich ungeachtet der Nebenwirkungen womöglich immer für das stärker wirksame Therapeutikum zu entscheiden.
Im Rahmen eines Medien-Roundtables anlässlich der Indikationserweiterung von Risankizumab zur Behandlung von Morbus Crohn standen Zahlen und Fakten rund um die Erkrankung im Vordergrund, die die Bedeutung einer frühen Behandlung und einer tiefen Remission aufzeigen.
Sowohl für Patienten mit Morbus Crohn als auch Colitis ulzerosa stehen Januskinase-Inhibitoren bereit, die auch dann noch wirken, wenn Behandlungen mit konventionellen Medikamenten oder Biologika gescheitert sind. Am diesjährigen Treffen der Spezialisten für entzündliche Darmerkrankungen in Kopenhagen wurden dazu neue Ergebnisse vorgestellt.
Bei Patienten mit Morbus Crohn in stabiler steroidfreier Remission unter Kombinationstherapie mit Infliximab (IFX) und Immunsuppressiva sollte ein Absetzen von IFX nur nach sorgfältiger NutzenRisiko-Abwägung für den einzelnen Patienten erfolgen, während das Absetzen von Immunsuppressiva im Allgemeinen eine bevorzugte Strategie darstellen könnte, wenn eine Therapiedeeskalation erwogen wird.
TNF-Hemmer sind auch noch nach über 20 Jahren die unbestrittene Therapie bei mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn nach erfolgloser Steroidtherapie. Inzwischen sind neue Substanzklassen wie die Small Molecules und die Interleukinhemmer entwickelt worden. Wo der Stellenwert dieser Substanzklassen liegt und wie die Therapieziele definiert werden sollten, war an der United European Gastroenterology Week in Wien zu erfahren.
Die medikamentösen Behandlungsoptionen bei Morbus Crohn haben sich den letzten Jahren mit der Zulassung diverser biologischer Therapeutika erweitert. Im Rahmen einer Netzwerkmetaanalyse wurden diese Substanzen nun hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Sicherheit miteinander verglichen.
In einer neuen Post-hoc-Analyse erwiesen sich die beiden TNF-Inhibitoren Infliximab und Adalimumab dem Integrinantagonisten Vedolizumab und dem IL-12/23-Hemmer Ustekinumab bei Patienten mit Morbus Crohn hinsichtlich der endoskopischen Heilung als überlegen. Die neue Untersuchung wurde am virtuellen Kongress der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) als Highlight-Studie vorgestellt.
In einer neuen Post-hoc-Analyse erwiesen sich die beiden TNF-Inhibitoren Infliximab und Adalimumab dem Integrinantagonisten Vedolizumab und dem IL-12/23-Hemmer Ustekinumab bei Patienten mit Morbus Crohn hinsichtlich der endoskopischen Heilung als überlegen. Die neue Untersuchung wurde am virtuellen Kongress der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) als «Highlight-Studie» vorgestellt.