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EDITORIAL
Die Lebensqualität im Auge behalten
An den europäischen Jahreskongressen werden jedes Jahr aufs Neue wissenschaftliche Erkenntnisse präsentiert und diskutiert, aber nicht alles davon wird unmittelbar Eingang in die Klinik finden. In dieser Ausgabe haben wir Themen von der Tagung der European Academy of Dermatology & Venereology (EADV) aufgegriffen, bei denen aktuelle Evidenz und praktische Konsequenzen eng verzahnt sind.
Ein Beispiel ist das chronische Handekzem, für das die therapeutischen Optionen lange limitiert waren. Mit dem topischen Pan-JAKInhibitor Delgocitinib steht nun eine gezielte Behandlung bereit. Neue Daten bestätigen seine Langzeitsicherheit und hohe Wirksamkeit, auch bei Jugendlichen. Zudem erweitern JAK-Inhibitoren das dermatologische Therapiespektrum – mit topischen wie oralen Präparaten, die durch ihr frühes Eingreifen in die Entzündungskaskade für zahlreiche chronischentzündliche Dermatosen neue Möglichkeiten bieten. In unserem Beitrag finden Sie aktuell verfügbare Optionen und einen Einblick in die Forschungspipeline.
Auch bei der Rosazea zeigt sich der Bedarf an differenzierten Ansätzen. Barrierestörungen, Mikrobiom-Veränderungen und Entzündungsprozesse greifen komplex ineinander. Neben bewährten Strategien entstehen neue Wirkstoffe, die künftig individuellere Behandlungen ermöglichen könnten.
Die wachsende Komplexität therapeutischer Entscheidungen wird auch bei der Psoriasisarthritis deutlich. Therapieentscheidungen soll-
ten konsequent am Patientenprofil, den klinischen Manifestationen und Komorbiditäten ausgerichtet werden – im Sinne des Treat-toTarget-Konzepts und in enger interdiszip linärer Abstimmung.
Dass die Auswirkungen dermatologischer Erkrankungen weit mehr als die Haut betreffen, zeigen Beiträge zur Lebensqualität: Am EADVJahreskongress wurden Daten zum Suizidrisiko bei atopischer Dermatitis vorgestellt, die zeigen, wie wichtig es ist, psychische Belastungen früh zu erkennen. Der Überblick zum chronischen Pruritus verdeutlicht zudem die vielfältigen Herausforderungen bei Diagnostik und Therapie dieses Symptoms.
Die reisemedizinische Kasuistik erinnert an die Bedeutung differenzialdiagnostischen Wissens bei Hautveränderungen nach Fernreisen. Und last but not least informiert ein Beitrag zur Wundbehandlung über die verschiedenen Hautersatzverfahren und betont, dass ihr frühzeitiger Einsatz bei schwer heilenden Wunden entscheidend zum Therapieerfolg beitragen kann.
Moderne Dermatologie erfordert mehr als die Wahl wirksamer Therapien: Gefragt sind zudem klinische Wachsamkeit, interdisziplinäres Denken und ein realistischer Blick auf die Belastungen chronisch erkrankter Patienten.
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre, Ihre Christine Mücke
dermatologie & ästhetische medizin 1 | 2026
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