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EULAR
Kurzmeldungen vom EULAR-Kongress 2018
Risiko für Frühgeburten und Mindergewicht
Schwangere Frauen mit rheumatoider Arthritis (RA) oder juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) haben ein höheres Risiko, eine Frühgeburt zu erleiden als gesunde Frauen. Wissenschaftler aus den USA und der Schweiz beobachteten den Verlauf der Schwangerschaften von RA-Patientinnen in den USA und Kanada in den Jahren 2004 bis 2017. Dabei identifizierten sie Faktoren, die das Risiko für Frühgeburten erhöhen: aktive rheumatoide Arthritis, Kortikosteroidgebrauch während aller drei Schwangerschaftstrimester, Präeklampsie (EPH-Gestose, Spätgestose) und NSAR-Gebrauch (bei Frauen mit JIA im ersten Trimester). Auch Schwangerschaftsdiabetes (bei Frauen mit RA) und Fieber (bei Frauen mit JIA) führten zu einem höheren Risiko für eine vorzeitige Niederkunft. Daneben haben Babys von RA-Müttern ein erhöhtes Risiko, mit geringerem Geburtsgewicht auf die Welt zu kommen, wie taiwanesische Forscher am EULAR mitteilten. KD L
Quellen: Smith CJF et al.: Predictors for preterm delivery among pregnant women with rheumatoid arthritis and juvenile idiopathic arthritis. EULAR 2018; THU 0683. Tsai YC et al.: Foetal-neonatal and maternal outcomes in women with rheumatoid arthritis. EULAR 2018; OP0135.
LLL
Vergleich von Biologika bei Malignomen
Existieren hinsichtlich der Häufigkeit von Malignomen Un-
terschiede zwischen Biologika mit verschiedenem Wirkme-
chanismus? Hierzu wurden die Langzeitdaten von rund
10 400 neu mit dem IL-6-Rezeptor-Hemmer Tocilizumab
(TCZ) behandelten RA-Patienten mit denen von 26 300 neu
mit TNF-Inhibitoren Behandelten verglichen. Ergebnis: Die
Inzidenz der zehn häufigsten malignen Krebserkrankungen
lag bei 0,83 bis 2,32 bei TCZ und bei 0,93 bis 2,15 bei den
TNF-Hemmern pro 100 Personenjahre. Damit bestehe zwi-
schen Tocilizumab und TNF-Inhibitoren kein signifikanter
Unterschied für das Risiko von der Häufigkeit von Maligno-
men, meinte Seoyoung C. Kim aus Boston, Massachusetts
(USA).
KD L
Quelle: Kim SC et al.: No difference in the risk of malignancy in tocilizumab versus tnf inhibitor initiators in patients with rheumatoid arthritis: a multi-database cohort study. EULAR 2018; OP 0002.
Adipositas und Rauchen verhindert Remission
Die in eine kanadische Untersuchung eingeschlossenen 1628
Patienten und Patientinnen mit früher aktiver RA wurden nach
den Leitlinien mit csDMARD (v.a. Methotrexat) konventio-
nell behandelt. Trotz früher Identifizierung und aggressiver Be-
handlung erreichten 46 Prozent der Frauen und 38 Prozent der
Männer keine Remission innerhalb des ersten Jahres. Multiva-
riable Analysen zeigten, dass bei Frauen Adipositas die Wahr-
scheinlichkeit, dieses Ziel zu verfehlen, mehr als verdoppelt.
Bei Männern erwies sich dagegen das Rauchen als fatal: Rezen-
ter Nikotinkonsum war sogar mit einer 3,5-fach grösseren
Odds-Ratio assoziiert, im ersten Jahr eine Remission zu verfeh-
len. Auch eine inkorrekte MTX-Anwendung erhöhte bei bei-
den Geschlechtern das Fehlschlagrisiko.
KD L
Quelle: Bartlett SJ et al.: Who is not reaching remission in early ra and why? predictors for persistent disease activity in the first year differ in men and women and are related to lifestyle and treatment. EULAR 2018; OP0106.
LLL
Sport bei rheumatoider Arthritis gegen Depression und Angst
Regelmässiger Sport hilft bei Depressionen und Angstzuständen. In welchem Umfang körperliche Bewegung bei psychischen Erkrankungen von RA-Patienten positiv wirken, war bislang jedoch unbekannt. Deshalb werteten irische Wissenschaftler 17 Studien mit 1200 RA-Patienten aus. Die Teilnehmenden trieben zwei bis vier mal in der Woche jeweils rund eine Stunde unterschiedliche Bewegungsformen, darunter Aerobic, Tanzen, Joga oder Tai Chi. Zwar verbesserte die medikamentöse Intervention auch die Situation der Betroffenen, so die Autoren, die körperliche Betätigung blieb jedoch ein wichtiger Teil der Behandlung. So zeigte der Sport eine moderate Reduktion von Depression und Angstzuständen. Bei Depressionen konnten 18 von 20 Effekten (90%) und bei Angstzuständen 7 von 7 Effekten (100%) verbessert werden. «Physiotherapeuten sollten Sport als ein zentrales Werkzeug für RA-Patienten mit Depression und Angstzuständen einsetzen, da es signifikant die psychischen Probleme reduziert», so die Wissenschaftler.KD L
Quelle: Mckenna SG et al.: The effects of exercise on depressive and anxiety symptoms in rheumatoid arthritis: a systematic review and meta-analysis. EULAR 2018; OP 0275.
6 CongressSelection Rheumatologie | September 2018
EULAR
Zoledronsäure ohne Einfluss auf Knieschmerzen
Eine einmal jährliche Zoledronatinjektion ins Knie reduziert
die Knieschmerzen nicht signifikant. Zu diesem Ergebnis
kamen australische Wissenschaftler nach Auswertung ihrer
randomisierten, plazebokontrollierten Doppelblindstudie.
Die in die Untersuchung aufgenommenen 223 Patienten er-
hielten entweder Zoledronsäure (5 mg in 100 ml Kochsalzlö-
sung) oder Plazebo (100 ml Kochsalzlösung). Nach 24 Mo-
naten waren keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich
Schmerzen (WOMAC, VAS), Funktions-Scores oder Grösse
der Läsionen im Knie (gemessen im MRI) zwischen beiden
Gruppen zu beobachten. Lediglich bei milden Arthrosefor-
men sei möglicherweise eine symptomatische Besserung fest-
zustellen, so die Forscher um G. Jones von der Monash Uni-
versity Melbourne.
KD L
Quelle: Cai G et al.: A multicentre randomised controlled trial of zoledronic acid for osteoarthritis of the knee with bone marrow lesions. EULAR 2018; OP0016.
Darmkeime fördern Gelenkentzündung bei SpA
Obwohl die genauen Mechanismen noch unklar sind, deuten
immer mehr Untersuchungen darauf hin, dass auch Darm-
bakterien einen nicht unerheblichen Einfluss auf rheumati-
sche Gelenkerkrankungen haben. So entwickelt rund ein
Drittel der Patienten mit chronisch entzündlichen Darmer-
krankungen (CED) im Laufe der Krankheit auch Komplika-
tionen an den Gelenken. Italienische Forscher um Devis Ben-
faremo aus Ancona untersuchten 85 Patienten mit CED-as-
soziierter Spondylarthritis (SpA). Ergebnis: Zwar waren bei
allen CED-Patienten Bakterien im Epithel des Ileums nach-
weisbar, allerdings zeigten nur Patienten mit CED-assoziier-
ter SpA eine Schädigung des Epithels. Gleichzeitig konnte
eine Reduktion von Tight-Junctions-Proteinen (Occludin,
Claudin-1, Claudin-2) nachgewiesen werden, die eine wich-
tige Kontrollfunktion für den Durchfluss von Molekülen im
Epithel besitzen. Zudem wurden bei Patienten mit CED-as-
soziierter SpA auch höhere Plasmaspiegel von Biomarkern
festgestellt (I-FABP; LPS, sCD14), die bei Epithelschädigung
und Bakterientransporten verstärkt auftreten. Mit anderen
Worten: Die Daten weisen darauf hin, dass bei CED-Patien-
ten komplexe systemische Entzündungsmechanismen auch
auf Gelenke und Knochen übergehen könnten.
KD L
Quelle: Benfaremo D et al.: Gastrointestinal damage and microbial translocation are involved in the development of immune system activation in inflammatory bowel disease-associated spondyloarthritis. EULAR 2018; OP 0271.
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