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Kardiologie
Prof. Dr. med. Isabella Sudano, PhD Leitende Ärztin, Klinik für Kardiologie Universitätsspital Zürich
«Kardiovaskuläre Prävention soll eines unserer primären Ziele sein»
Welche neuen Erkenntnisse des abgelaufenen Jahres in Ihrem Fachgebiet fanden Sie besonders spannend? Es wurden neue Richtlinien veröffentlicht, die für meinen Alltag wichtig sind: die ESC1-Richtlinien für kardiovaskuläre Erkrankungen und Schwangerschaft, das Update der ESC/EAS2-Richtlinien für Dyslipidämie, das Consensus Statement über «Mental health and cardiovascular disease», aber auch die amerikanischen Richtlinien für Hypertonie, die interessant sind, obwohl sie keinen direkten Effekt auf die Praxis in der Schweiz haben.
Die am ESC-Kongress präsentierten Resultate der Studien mit neuen Medikamenten für die therapieresistente Hypertonie wie z.B. Baxdrostat und Aprocicentan sind für mich besonders spannend.
Wurden 2025 in Ihrem Fachbereich Medikamente zugelassen, die die Therapie erheblich verbessern? Im Fachbereich kardiovaskuläre Prävention wurden 2025 keine neuen Medikamenten zugelassen.
Ist künstliche Intelligenz (KI) für Sie nützlich – und wenn ja, in welchem Bereich? Können Sie ggf. eine Anwendung empfehlen? KI ist im Moment nur bedingt im Alltag für mich persönlich nützlich, ausser z.B. für Übersetzungen. Ich erkenne ein grosses Potenzial für KI in der Medizin und bin gespannt auf ihren Einsatz in der Zukunft.
Was hat Sie 2025 am meisten gefreut und was am meisten geärgert? Es gab ein paar negative Studien, die im Lauf des Jahres veröffentlicht wurden, sowie Studien, die überraschenderweise positiv ausfielen. Ich bewerte alle Studie als nützlich: Jedes Studienresultat, ob positiv oder negativ, erweitert unser Wissen und hilft uns dadurch, Patienten besser und personalisierter zu behandeln.
Ist 2026 in Ihrem Fachbereich etwas Besonderes zu erwarten oder geplant und was versprechen Sie sich davon? Was erhoffen Sie sich von 2026? Die Resultate der Studie mit Lipoprotein(a)-senkenden Medika-
menten und die neuen Medikamente für die therapieresistente Hypertonie werden in meinem Bereich besonders interessant sein, ebenso wie die ESC-Richtlinien für «Cardiac rehabilitation» und «Cardiovascular disease and chronic kidney disease», die am ESC-Kongress 2026 präsentiert werden.
Was ist Ihre wichtigste «Message» für die Kolleginnen und Kollegen in der Hausarztpraxis? Die kardiovaskuläre Prävention soll eines unserer primären Ziele sein. Risikofaktoren rechtzeitig zu identifizieren und zu behandeln, kann die Lebensqualität, die Selbstständigkeit und die Lebenserwartung unserer Patienten verbessern. Die neuen Instrumente, wie z.B. KI oder neue Devices zum Monitoring oder zur Therapie, sollen wir im Auge behalten und gemäss den Erkenntnissen betreffend Nutzen und Risiken anwenden.
1 European Society of Cardiology 2 European Atherosclerosis Society
ars medici 1 | 2026 35