Transkript
EDITORIAL
Kommunikation ist das, was ankommt
Diese Aussage gilt auch für Arzt- Patienten-Gespräche. Wie schwierig der Weg vom Sender zum Empfänger sein kann, zeigt sich vor allem, wenn es emotional belastend wird. Nach einer Krebsdiagnose zum Beispiel müssen Betroffene häufig innerhalb sehr kurzer Zeit sehr komplexe Informationen zu Prognose, Therapieoptionen und möglichen Nebenwirkungen aufnehmen. Viele haben später Mühe, sich an kommunizierte Inhalte richtig zu erinnern. Das könne sogar bis zu 80% der vermittelten Informationen betreffen, heisst es in Studien (1). Wie wäre es, diese Gespräche aufzuzeichnen? Erlaubt ist das, wenn alle Gesprächspartner ausdrücklich einverstanden sind. Mit solchen «Consultation Recordings» könnten Betroffene das Gespräch später erneut anhören, um alles besser zu verstehen oder um es mit Angehörigen oder Freunden zu besprechen. Gerade in der Onkologie, wo Therapieentscheidungen oft weitreichend sind und sorgfältig abgewogen werden müssen, könnte das eine informierte Entscheidungsfindung erleichtern. Eine Gruppe vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat online 94 Onkologen gefragt, was sie von Audiomitschnitten hielten (1). Die Befragung zeigte ein ambivalentes Bild: Neben den Chancen werden auch Bedenken ins Feld geführt, etwa zum Datenschutz, die Möglichkeit für
Fehlinterpretationen oder die Gefahr der unkontrollierten Weitergabe der Aufnahmen bis hin zur Nutzung als «Beweismittel» gegen die behandelnden Ärzte. Sowohl Ärzte als auch Patienten befürchten eine Beeinträchtigung der Gesprächsatmosphäre, wie in einer weiteren Befragung unter Patienten (2) deutlich wurde. Dennoch wünschten sich mehr als zwei Drittel der knapp 290 befragten Patienten eine solche Möglichkeit.
Wie halten Sie es damit, könnten Sie sich das in Ihrem Praxisalltag vorstellen? Ob mit oder ohne Aufnahme: Eine klare, verständliche und vertrauensvolle Kommunikation bleibt eine der wichtigsten Grundlagen für eine gute onkologische Versorgung. Digitale Hilfsmittel, vielleicht Transkripte oder schriftliche Zusammenfassungen, können dabei helfen. Entscheidend bleibt aber die Qualität des Gesprächs.
Ihre Christine Mücke
Referenz: 1. Topf C et al.: A cross-sectional online survey on
oncologists’ attitudes toward and experiences with providing patients with audio recordings of their medical encounters. Sci Rep. 2025;15(1):17100. doi:10.1038/s41598-025-01962-8 2. Topf C et al.: Attitudes and experiences of cancer patients toward the provision of audiorecordings of their own medical encounter: a cross-sectional online survey. Front Psychol. 2024;15:1378854. doi:10.3389/fpsyg.2024.1378854
PS: Auf unseren Titelbildern finden Sie dieses Jahr Bilder, die an histologische Schnitte erinnern. Wissen Sie, um was es sich dabei handelt? Auflösung beim Inhaltsverzeichnis.
onkologie 1 | 2026
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