Transkript
EAACI
Prävention bei Katzenallergie des Halters
Ist das innovative Behandlungskonzept der Katzenimpfung wirksam?
Mit einer für Katzen unschädlichen Impfung wird versucht, bei Katzenallergikern die allergischen Reaktionen abzuschwächen oder vorbeugend zu verhindern. Jetzt liegen erste Studienresultate vor, die zeigen, dass Katzenallergiker von der neuartigen Behandlung profitieren. Auch die Lebensqualität der Katzen wird durch die Impfung positiv beeinflusst, denn sie können ausgiebiger gestreichelt werden und müssen nicht ins Tierheim umziehen, wie Prof. Gabriela Senti, Direktorin Forschung und Lehre, Universitätsspital Zürich, berichtete.
Etwa in jedem vierten Haushalt leben Katzen, und Katzenallergien sind häufig (10% der Bevölkerung). Eine ursächliche Therapie fehlt bislang. Bei starken Allergiesymptomen bleibt in der Regel nur die Trennung vom geliebten Haustier als Ausweg. Das Hauptallergen der Katzenallergie Fel d 1 ist auf dem Fell zu finden. Es wird durch Speichel-, Tränen-, Talg-, und Perianaldrüsen produziert. Die biologische Funktion dieses sehr stabilen Katzenproteins ist noch unklar. Erst nach zwei Jahren sei es aus einer Wohnung, in der früher eine Katze lebte, wieder verschwunden, so die Referentin. Reduzierte Exposition gegenüber Fel d 1 sei mit einer Linderung der allergischen Symptome verbunden. Die Reduktion der Konzentration von Fel d 1 sei für Katzen nicht schädlich. So sind Katzen, die von Geburt an über sehr wenig Fel d 1 verfügen, gesund und munter. Wieso deshalb nicht die Katzen – also die Allergenquelle – statt die Allergiepatienten behandeln?
Quelle: Vortrag von Gabriela Senti am Symposium SYM 30 «Novel concepts in allergen immunotherapy» beim EAACI-Kongress 2018, 29. Mai 2018, München.
Wirksamer, gut verträglicher Katzenimpfstoff
Das von der Referentin vorgestellte neuartige Konzept besteht darin, mit dem experimentellen Katzenimpfstoff HypoCat™ eine starke und anhaltende Antikörperreaktion mit Neutralisation des Allergens Fel d 1 zu erzeugen. Der Konjugatimpfstoff, der aus virusähnlichen Nanopartikeln mit kovalent gebundenem Fel-d-1-Protein besteht, ist sehr immunogen und vermag in der Katze die Immuntoleranz gegenüber dem Selbstmolekül zu überwinden und die Konzentration von freiem Fel d 1 stark zu reduzieren. In einer Veterinärstudie wurde gezeigt, dass durch dreimalige Impfung (im Abstand von jeweils 3 Wochen) im Serum und im Speichel von
KURZ & BÜNDIG
In Zukunft sollen Tierärzte mit einer Impfung bei Katzen das Hauptallergen stark reduzieren können.
In Studien wurden geeignete Methoden für die Prüfung des innovativen Behandlungskonzeptes erarbeitet.
Erste Studienresultate zeigen, dass die Impfung mit dem Katzenimpfstoff HypoCatTM bei Katzen das Hauptallergen und bei allergischen Katzenhaltern die Allergiesymptome reduziert.
zehn Katzen spezifische IgG-Antikörper gegen Fel d 1 und gegen die virusähnlichen Partikel induziert wurden. Die Impfung erwies sich als gut verträglich.
Weniger Allergiesymptome bei Katzenhaltern
In einer Humanstudie wurde der Einfluss der Katzenimpfung auf die allergischen Symptome bei allergischen Katzenhaltern (8 Frauen, 2 Männer) untersucht. Provokationstests wurden vor und nach der Katzenimpfung durchgeführt. Dabei streichelten die Halter ihre Katze auf dem Schoss so lange, bis mittelstarke allergische Symptome auftraten (Stärke 5 auf visueller Analogskala). Zudem wurde ein Score organspezifischer Allergiesymptome vor und nach der Provokation und ein Wochen-Symptomscore erfasst. Eine Patientin wurde von der Per-Protocol-Analyse ausgeschlossen, weil für die Symptome nicht eine Katzenallergie, sondern eine chronische Urtikaria verantwortlich war. Der Summenscore organspezifischer Symptome (nach Provokation) nahm nach der Impfung der Katzen bei 7 der 9 Katzenallergiker bis Studienende (Woche 24) ab. Nach der Impfung war auch eine Verringerung des Wochen-Symptomscores feststellbar.
Auch Katzen profitieren von der Impfung
Weil Katzen nach der Impfung mehr Zuwendung erhalten kön-
nen, profitieren sie ebenfalls. So konnten 6 von 9 Patienten beim
Provokationstest in der Woche 24 ihre Katze bereits vor der
Impfung signifikant länger streicheln als dies vor der Impfung
möglich war. Bei einer Patientin, die ihre ungeimpfte Katze be-
sonders lang streicheln konnte (45 Minuten), stiess der Provo-
kationstest an seine Grenzen, denn Katzen wollen in der Regel
nicht noch länger gestreichelt werden und laufen weg. Deshalb
konnte keine Verlängerung der Streichelzeit gemessen werden.
Bei einer anderen Katze war Fel d 1 bereits vor der Impfung nur
in sehr geringer Konzentration vorhanden, was gemäss der Li-
teratur bei 1 bis 2 Prozent der Katzen von Geburt an vorkommt.
Diese Katze bildete gewissermassen eine interne Plazebokon-
trolle. Dass die Streichelzeit nach der Impfung nicht zunahm,
passt zum Befund, dass die Katze von Anfang an fast kein Fel d
1 besass. Mit grösseren Studien wird die Entwicklung des Vete-
rinärimpfstoffs nun fortgeführt.
L
Alfred Lienhard
32 CongressSelection Pneumologie, Allergologie und Immunologie | August 2018