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Metainformationen


Titel
CRP bei Depressiven erhöht
Untertitel
Der Zusammenhang liefert einen vagen Erklärungsansatz für das erhöhte kardiovaskuläre Risiko
Lead
Männer, die an einer Major Depression leiden, weisen anscheinend häufiger erhöhte CRP-Werte auf. Das ergab eine Analyse von Daten, die im Rahmen der Third National Health and Nutrition Examination Survey in den USA erhoben wurden.
Datum
1. September 2004
Journal
ARS MEDICI 17/2004
Autoren
Uwe Beise
Rubrik
MEDIZIN — Fortbildung
Schlagworte
-
Artikel-ID
11883
Kurzlink
https://www.rosenfluh.ch/11883
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Transkript


STUDIEq ÉTUDE

CRP bei Depressiven erhöht
Der Zusammenhang liefert einen vagen Erklärungsansatz für das erhöhte kardiovaskuläre Risiko

ARCHIVES OF INTERNAL MEDICINE
Männer, die an einer Major
Depression leiden, weisen
anscheinend häufiger erhöhte
CRP-Werte auf. Das ergab
eine Analyse von Daten, die
im Rahmen der Third National
Health and Nutrition Exa-
mination Survey in den USA
erhoben wurden.
An einer Depression erkrankte Menschen haben ein erhöhtes Risiko, an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) zu erkranken. Diese Koinzidenz legen zahlreiche Beobachtungsstudien der letzten 20 Jahre nahe. Auch scheinen Depressive häufiger einen Schlaganfall zu erleiden. Bislang können sich die Forscher allerdings noch keinen rechten Reim auf das Zusammenspiel der zunächst einmal wesensfremd erscheinenden Erkrankungen machen. Gleichwohl sind auf der biologischen Seite einige Thesen entstanden, die aber eines Gültigkeitsbeweises weiter harren. Veränderungen der HypophysenHypothalamus-Achse, der Plättchenfunktion und der Herzfrequenz stehen zur Diskussion. Am liebsten hätten es die Forscher natürlich, fänden sie Mediatoren, die sich gemeinsam beziehungsweise zeitnah mit dem Abklingen der Depression zurückbilden.

Ein besonderes Augenmerk richtet sich seit längerem auf entzündliche Vorgänge, die dem arteriosklerotischen Gefässumbau zugrunde liegen sollen. In jüngster Zeit ist es möglich, das C-reative Protein (CRP) als Marker für eine geringgradige Entzündung zu nutzen. Die neuen hochsensitiven Assays erlauben es, selbst minimale Veränderungen von CRP-Werten zu ermitteln. Auf diese Weise lässt sich der Beziehung zwischen Entzündung und arteriosklerotischer Gefässkrankheit vielleicht leichter auf die Spur kommen. Bisherige Prospektivstudien haben ergeben, dass das KHK-Risiko bei Menschen, deren CRP im oberen Drittel lag, um das zweifache höher war als bei Menschen, deren CRP-Wert im unteren Drittel rangierte. Einige wenige Studien deuten darauf hin, dass Depression assoziiert ist mit einer Produktion von proinflammatorischen Zytokinen, wobei diese sich aber in einem Beobachtunszeitraum von fünf Wochen nach Therapie mit Antidepressiva nicht zurückbildeten. Jetzt hat eine amerikanische Arbeitsgruppe untersucht, wie die CRP-Werte bei Depressiven sind. Sie nutzten dazu die umfangreichen und repräsentativen Daten von knapp 7000 Männern und Frauen im Alter zwischen 18 und 39 Jahren aus der Third National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III). Die Auswertung ergab eine Prävalenz der Major Depression von 5,7 Prozent bei Männern und von 11,7 Prozent bei Frauen. Tatsächlich fand man, dass die Depression bei Männern gehäuft mit erhöhten CRP-Werten korrelierte. Damit konnten Ergebnisse bestätigt werden, wie sie bereits bei über 65-Jährigen erhoben worden waren. Allerdings geben die Autoren zu bedenken, dass Aussagen zur Kausalität kaum machbar sind. Schliesslich sind zahlreiche Pro-

zesse denkbar, die eine geringgradige Ent-

zündung verursachen. Zwar scheinen

konkomitierende Erkrankungen bei den

jungen Teilnehmern nicht sehr wahr-

scheinlich, ausgeschlossen sind sie aber

nicht. Immerhin konnten eine Reihe von

Faktoren ausgeschlossen werden, wie etwa

Alter, Body Mass Index (BMI), Alkohol-

konsum, Östrogeneinnahme bei Frauen,

Lipidwerte, Blutdruck und Rauchverhalten.

Obwohl Frauen häufiger an Depressionen

leiden, konnte bei ihnen der beschriebene

Zusammenhang nicht ermittelt werden.

Nach einer hypothetischen Erklärung

könnten dafür Schwankungen des CRP

während des Menstruationszyklus verant-

wortlich sein. In der Mitte des Zyklus stei-

gen sie besonders stark an. Informationen

über den Menstruationszyklus enthielten

die Daten nicht. Grundsätzlich gilt, dass

das KHK-Risiko bei depressiven Männern

und Frauen ähnlich hoch ist.

Unklar bleibt nach der Studienanlage die

Frage nach dem zeitlichen Zusammen-

hang zwischen CRP-Anstieg und Depres-

sion, obwohl die Autoren die zeitliche

Nähe zwischen CRP-Messung und depres-

siver Episode ins Kalkül zogen. Verläss-

lichere Daten würde nur eine Longitudi-

nalstudie ergeben.

q

Daniel E. Ford et al.: Depression and c-reactive protein in US adults. Data from the Third National Health and Nutrition Examination Survey. Arch Intern Med 2004; 164: 1010–1014.

Uwe Beise

Interessenkonflikte: keine

A R S M E D I C I 1 7 q 2 0 0 4 867


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