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KURZ & BÜNDIG
Ovarialkarzinom programmiert das Omentum für Metastasen um
Ein Ovarialkarzinom hat oft bereits zum Zeitpunkt der Diagnose ins Omentum metastasiert. Forscher der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel haben gezeigt, dass Tumorzellen dieses Organ umfassend umprogrammieren und ein metastasenförderndes Mikromilieu schaffen können. Ihren Untersuchungen lag eine praktische Frage zugrunde, so PD Dr. Francis Jacob vom Departement Biomedizin der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel: Sollte bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom neben den sichtbaren Tumoren und Metastasen prophylaktisch das gesamte Omentum chirurgisch entfernt werden, um die Rezidivrate zu senken?
Auf der Suche nach einer Antwort analysierte das Team um Dr. Jacob und Prof. Dr. Viola Heinzelmann-Schwarz Gewebeproben aus dem Omentum von 15 Krebspatientinnen. Diese litten entweder bereits an einem dorthin metastasierten Ovarialkarzinom oder an anderen Tumoren ohne Metastasen im Omentum. Mittels detaillierter Analysen erstellten die Forscher einen Zellatlas, der gesunde und tumorassoziierte Gewebestrukturen vergleicht. Während das gesunde Omentum eine relativ homogene Zellzusammensetzung aus
Oberflächenzellen, Bindegewebsstammzellen und Immun-
Gedächtniszellen aufweist, zeigte sich bei Patientinnen mit
Metastasen eine deutlich veränderte Zelllandschaft.
Insbesondere nahm die Zahl bestimmter Immunzelltypen
zu, die antitumorale Immunreaktionen unterdrücken und
damit das Tumorwachstum begünstigen. Gleichzeitig waren
weniger Oberflächen- und Stammzellen nachweisbar, was
auf eine funktionelle Umwandlung dieser Zellen hindeutet.
Die Veränderungen fanden sich zudem auch in Gewebebe-
reichen fern vom Tumor, ein Hinweis darauf, dass die Tu-
morbesiedlung das gesamte Organ beeinflusst. Vor diesem
Hintergrund könnte die Entfernung des Omentums über den
sichtbar betroffenen Bereich hinaus sinnvoll sein, um ein
Rezidivrisiko zu reduzieren. Ob ein solches Vorgehen tat-
sächlich die Prognose verbessert und wie sich dies auf die
Lebensqualität auswirkt, muss jedoch in prospektiven Stu-
dien geprüft werden.
Mü
Medienmitteilung der Universität Basel vom 9.1.2026. Zur Originalarbeit: Lischetti U et al.: Ovarian cancer metastasis to the human omentum disrupts organ homeostasis and induces fundamental tissue reprogramming. Nature Communications. 2025. doi: 10.1038/s41467-025-67557-z.
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