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KURZ & BÜNDIG
S3-Leitlinie zur onkologischen Ernährung aktualisiert – Fokus auf perioperative Betreuung und Warnung vor restriktiven Diäten
Nach gut zehn Jahren ist die S3-Leitlinie «Klinische Ernährung in der Onkologie» überarbeitet und erstmals in das Leitlinienprogramm Onkologie integriert worden. Eine zentrale Botschaft betrifft sogenannte Krebsdiäten: Für restriktive Ernährungsformen wie Fastenprogramme, ketogene Diäten oder spezielle Krebsdiäten etwa nach Budwig oder Breuss fehlt bislang ein belegter Nutzen. Gleichzeitig können solche Ernährungsstrategien die Energie- und Nährstoffaufnahme deutlich einschränken und damit das Risiko einer Mangelernährung erhöhen. Da viele onkologische Patienten bereits durch Erkrankung oder Therapie an Gewicht verlieren, kann dies den Therapieerfolg gefährden und zu klinisch relevanten Komplikationen führen. Auch alternative Ernährungsformen werden in der Leitlinie bewertet. Für vegetarische oder vegane Ernährung liegt derzeit keine ausreichende Evidenz für eine generelle Empfehlung vor. Entscheiden sich Betroffene für eine solche Ernährungsweise, sollte sie jedoch sorgfältig geplant und begleitet werden, um mögliche Defizite zu vermeiden.
Neu aufgenommen ist ein Kapitel zur Ernährung im Rahmen operativer Tumortherapien. Zwölf Empfehlungen adressieren die perioperative Versorgung. Demnach soll der Ernährungsstatus vor und nach grösseren onkologischen
Eingriffen systematisch erfasst werden. Ist absehbar, dass
postoperativ mehrere Tage keine ausreichende orale Nah-
rungsaufnahme möglich ist, wird eine frühzeitige enterale
oder gegebenenfalls parenterale Ernährung empfohlen. Bei
ausgeprägter Mangelernährung kann zudem bereits präope-
rativ eine Ernährungstherapie angezeigt sein – selbst wenn
sich dadurch der Operationstermin verzögert.
Auch die Ernährung in der palliativen Situation wird aus-
führlicher behandelt. Hierbei steht die Unterstützung der
Lebensqualität im Vordergrund. Entscheidungen über künst-
liche Ernährung sollten regelmässig und gemeinsam mit
Betroffenen und Angehörigen überprüft werden. Eine früh-
zeitige Einbindung spezialisierter Ernährungsexperten wird
angeraten.
Insgesamt bleibt die Zahl der Empfehlungen mit 52 nahe-
zu unverändert, aber die inhaltlichen Schwerpunkte wurden
neu gesetzt. Weitere Themen, darunter Screeningverfahren
für Mangelernährung sowie Ernährung während Radio- oder
systemischer Tumortherapie, sollen in künftigen Aktualisie-
rungen vertieft werden.
Mü
Leitlinienprogramm Onkologie. «S3-Leitlinie Klinische Ernährung in der Onkologie», Version 2026.
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