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JOURNAL CLUB
Prämenopausaler Brustkrebs
Adjuvante Therapie mit ovarieller Suppression plus Endokrintherapie bringt beste Rezidivprävention
Bei jungen Patientinnen mit frühem Brustkrebs bringt die adjuvante ovarielle Suppression zusätzlich zur Tamoxifen- oder Exemestan-Gabe ein signifikant verlängertes Langzeit- und krankheitsfreies Überleben. Bei Zugabe des Aromatasehemmers wird die rezidivfreie Zeit am stärksten verlängert, allerdings auf Kosten häufigerer Nebenwirkungen. Dies ergab eine kombinierte Re-Analyse der Studien SOFT und TEXT, für die jetzt Langzeitresultate über 8 Jahre vorliegen.
Nach Bewertung der Studienleiter und des Kommentators (1, 2) ist die Datenlage nach der erneuten Analyse der Studien mit Follow-up über 8 bis 9 Jahre nun eindeutig. Die klinischen Studien SOFT (Suppression of Ovarian Function Trial) und TEXT (Tamoxifen and Exemestane Trial) zur endokrinen Therapie bei frühem Brustkrebs mit gleichen Patientinnenprofilen erlaubten eine kombinierte Analyse, die erst durch die lange Nachbeobachtung klare Resultate lieferte.
Rezidivrate unter Tamoxifen plus ovarielle Suppression versus Tamoxifen allein nicht signifikant höher.
Krankheitsfreies Überleben
In der Studie SOFT betrug die 8-JahresRate krankheitsfreien Überlebens I 78,9% unter Tamoxifen allein I 83,2% unter Tamoxifen plus ovarielle
Suppression I 85,9% unter Exemestan plus ovarielle
Suppression.
Ovarielle Suppression plus Tamoxifen oder Aromatasehemmer
Die Studie SOFT randomisierte prämenopausale Frauen mit frühem Brustkrebs für eine der Therapien über 5 Jahre mit: I Tamoxifen I Tamoxifen plus ovarielle Suppression I Exemestan plus ovarielle Suppression. In der Studie TEXT erhielt das gleiche Patientenklientel randomisiert eine der beiden Therapien: Tamoxifen plus ovarielle Suppression oder Exemestan plus ovarielle Suppression. Die ersten Analysen beider Studien hatten übereinstimmend gezeigt, dass das Rezidivrisiko nach 5 Jahren signifikant niedriger in der Gruppe Exemestan plus ovarielle Suppression ist als in den Vergleichsgruppen (1). Dabei war aber die
Gesamtüberleben
Die Analyse nach 8 Jahren Follow-up ergab folgende Raten des Gesamtüberlebens (OS): I 91,5% unter Tamoxifen allein I 93,3% unter Tamoxifen plus ovarielle
Suppression I 92,1% unter Exemestan plus ovarielle
Suppression. Unter den Frauen, die nach der Chemotherapie prämenopausal blieben, betrugen die OS-Raten 85,1%, 89,4% und 87,2%. Bei denjenigen unter Chemotherapie, die HER2-negativ waren, war die 8-Jahres-Rate für Fernmetastasen unter Exemestan plus ovarielle Suppression niedriger als unter Tamoxifen plus ovarielle Suppression (um 7 Prozentpunkte in der Studie SOFT und 5 in der Studie TEXT). Erwartungsgemäss traten Nebenwirkun-
gen (Grad 3 und höher) in den Kombinationsgruppen häufiger auf, die Raten waren: 24,6% unter Tamoxifen allein, 31,0% unter Tamoxifen plus ovarielle Suppression und 32,3% unter Exemestan plus ovarielle Suppression.
Fazit
Die Autoren schlussfolgern aus der Re-
Analyse beider Studien nach 8 bis 9 Jah-
ren, dass die ovarielle Suppression zu-
sätzlich zur Tamoxifen-Gabe sowohl die
krankheitsfreie Zeit als auch das Gesamt-
überleben gegenüber der alleinigen Ta-
moxifen-Therapie signifikant verlängert.
Wird statt Tamoxifen der Aromatase-
hemmer Exemestan gegeben, wird die
rezidivfreie Zeit sogar noch weiter verlän-
gert, und zwar in allen Subgruppen – also
unabhängig vom Lymphknotenstatus,
von der Gabe einer Chemotherapie vor
Beginn der endokrinen Therapie und
vom Alter der prämenopausalen Patien-
tinnen. Der grösste Nutzen in der Rezi-
divprävention entsteht durch die poten-
teste Verringerung der Östrogenspiegel
und damit durch die Aromatasehem-
mung (plus ovarieller Suppression). Aller-
dings muss unter dieser Behandlung mit
mehr Nebenwirkungen gerechnet wer-
den als unter Tamoxifen, so die Autoren
(1, 2).
I
Bärbel Hirrle
Quellen: 1. Francis P, Pagani O, Flemin GF et al. (for the SOFT
and TEXT Investigators and the International Breast Cancer Study Group): Tailoring adjuvant endocrine therapy for premenopausal breast cancer. N Engl J Med. 2018; 379: 122–137. 2. Lippmann ME.: Editorial: Endocrine adjuvant therapy for localized breast cancer. N Engl J Med. 2018; 379: 193–194.
SCHWEIZER ZEITSCHRIFT FÜR ONKOLOGIE 4/2018
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