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BERICHT
Herzinsuffizienz früher diagnostizieren
«Nicht heilbar, aber exzellent behandelbar»
Bei Patienten mit langjähriger Hypertonie, koronarer Herzkrankheit oder Vorhofflimmern sollte eine Herzinsuffizienz gesucht werden. Denn es gibt Hinweise, dass eine unerkannte Herzinsuffizienz in der tertiären Versorgung nicht selten ist. «Eine unerkannte Herzinsuffizienz ist eine verpasste Gelegenheit für eine evidenzbasierte Behandlung», so Prof. Dr. Christian Müller, Leiter Cardiovascular Research Institute Basel (CRIB), Universitätsspital Basel, am Jahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM) in Lausanne.
Herzinsuffizienz ist in der Schweiz der häufigste Hos pitalisationsgrund, und jährlich sterben 15 – 30 % Patienten daran. Ein Teil dieser enormen Belastung für den Patienten und für das Gesundheitssystem ist der späten Diagnose geschuldet. Denn die Symptome entwi ckeln sich langsam und sind bei einer älteren Patienten gruppe mit Kurzatmigkeit und Müdigkeit unspezifisch. Des wegen sollte bei älteren Patienten mit klinischen Sympto men wie Dyspnoe, Orthopnoe, Fatigue, gegebenenfalls Husten, Gewichtszunahme und geschwollene Knöchel das NT-ProBNP (N-Terminal Pro-B-Type Natriuretic Peptide) gemessen werden, so Prof. Müller. Die Spezifität der klini schen Zeichen sei zwar gut, die Sensitivität jedoch nicht. Ist der NT-ProBNP-Wert erhöht, kann die Diagnose Herzinsuf fizienz bereits gestellt werden (1). Denn die Genauigkeit von NT-proBNP zum Abschätzen von Füllungsdrücken ist einer Echokardiografie überlegen, wie der Referent erklärte.
Mit einem Echokardiogramm wird anschliessend der Phänotyp (z.B. HFrEF, HFmrEF, HFpEF, Klappenproblem) bestimmt (1), der die Art der folgenden Therapie bestimmt.
Je nach klinischer Situation sind andere Cut-off-Werte für NT-proBNP massgebend. Die Höhe des NT-proBNPWerts korreliert mit der Schwere der Herzinsuffizienz, un geachtet des Phänotyps (1,2). Zur Diagnose einer akuten Herzinsuffizienz (NYHA III oder IV) sind NT-ProBNP-Werte
KURZ UND BÜNDIG
• Herzinsuffizienz ist eine chronische Erkrankung, die gut diagnostizierbar und behandelbar ist.
• Die Diagnose einer Herzinsuffizienz kann anhand des NT-pro-BNP-Werts gestellt werden.
• Für die Behandlung stehen sehr wirksame Medikamente zur Verfügung.
• Bei Patienten mit langjähriger Hypertonie, Vorhofflimmern oder KHK sollte eine Herzinsuffizienz gesucht werden.
≥ 450 pg/ ml erforderlich, zur Diagnose einer chroni schen Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse II) in der ambulan ten Medizin bei Patienten mit Belastungsdyspnoe ist ein Wert ≥ 300 pg/ ml diagnostisch, bei Werten ≤ 125 pg/ml könne eine Herzinsuffizienz mit grösster Wahrscheinlich keit ausgeschlossen werden (1) (Tabelle), so Prof. M üller.
Behandlung je nach Phänotyp Handelt es sich um eine Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion (HFrEF), soll standardmässig eine Langzeit-4-fach-Therapie mit einem ACE-Hemmer/Angio tensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI), einem Betablocker, einem Mineralokortikoid-Rezeptorantagonis ten (MRA) und einem SGLT2-Hemmer installiert werden. Diese vier Komponenten haben gemäss Prof. Müller in gros sen Studien jeweils gezeigt, dass sie nicht nur die Sympto me verbessern, sondern auch die Mortalität senken (1,2). Die 4-fach-Therapie wird in der Regel noch im Spital niedrig dosiert begonnen. Nach Spitalentlassung sollten die Medi kamente innerhalb von sechs Wochen alle 1 – 2 Wochen schrittweise auf die Zieldosen auftitriert werden, um eine erneute Dekompensation, deren Risiko in den ersten 30 Ta gen bei 20 – 30 % liegt, zu verhindern (2,3,4).
Eine Renaissance in dieser Indikation erlebt zurzeit Digo xin. Eine kürzlich publizierte Metaanalyse aus jüngeren Stu dien von 2025 und 2026 hat gezeigt, dass die Zugabe von niedrig dosiertem Digoxin zur Standardtherapie einen zu sätzlichen Nutzen bringt. Dies hauptsächlich aufgrund der Verringerung des Risikos für Verschlechterung der Herz insuffizienz (5). Bei Patienten mit HFrEF, die unter einer aus gebauten 4-fach-Therapie noch immer symptomatisch bleiben, ist die zusätzliche Gabe von Digoxin eine exzellente und gut verträgliche Option, wie Prof. Müller konstatierte.
Bei einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) besteht die Standardtherapie aus einem MRA (z.B. Finerenon [Kerendia®]) und einem SGLT2-Hemmer, gegebenenfalls noch einem Diuretikum.
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BERICHT
Bei Patienten, denen es unter Therapie «eigentlich» gut geht, die aber auf Nachfrage etwas langsamer geworden sind oder ihre Aktivitäten reduziert haben, sollte man hell hörig werden und das NT-proBNP messen, so der Rat des Referenten. In den meisten Fällen lässt sich mit einer The rapieoptimiertung die Symptomatik verringern und die Le bensqualität verbessern.
Herzinsuffizienz suchen Auch in der Schweiz gibt es viele Fälle von unentdeckter Herzinsuffizienz. Einer neuen Erhebung zufolge wies einer von fünf Patienten in der Tertiärversorgung eine unerkannte Herzinsuffizienz auf, die mit einem erhöhten Risiko für kar diovaskulären Tod oder herzinsuffizienzbedingter Hospita lisation verbunden war. Die Analyse ergab weiter, dass von den Patienten mit koronarer Herzerkrankung ein Drittel eine unerkannte und damit unbehandelte Herzinsuffizienz auf wies (6). Patienten, die seit Jahren an einem Vorhofflim mern, einer Hypertonie oder einer KHK litten, wiesen meist auch eine Herzinsuffizienz auf, so Prof. Müller. Diese sei zwar nicht heilbar, aber exzellent behandelbar.
Valérie Herzog
Quelle: «Update Herzinsuffizienz», Jahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM), 20.–22. Mai 2026, Lausanne
Referenzen: 1. Mueller C et al.: Heart Failure Association of the European Society of
Cardiology practical guidance on the use of natriuretic peptide concentrations. Eur J Heart Fail. 2019;21(6):715-731. doi:10.1002/ ejhf.1494 2. McDonagh TA et al.: 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J. 2021;42(36):3599-3726. doi:10.1093/eurheartj/ehab368 3. Mebazaa A et al.: Safety, tolerability and efficacy of up-titration of guideline-directed medical therapies for acute heart failure (STRONGHF): a multinational, open-label, randomised, trial. Lancet. 2022;400(10367):1938-1952. doi:10.1016/S0140-6736(22)02076-1 4. Lund LH et al.: Outcomes of heart failure with reduced, mildly reduced, or preserved ejection fraction: the ESC HF III registry. Eur Heart J. 2026;47(19):2326-2341. doi:10.1093/eurheartj/ehaf1074 5. Damman K et al.: Efficacy and Safety of Digitalis Glycosides in Heart Failure: A Meta-Analysis. JAMA. 2026;335(23):2029-2037. doi:10.1001/ jama.2026.7886 6. Rumora K et al.: Undetected Heart Failure in Tertiary Care/Cardiology in Switzerland. JACC Heart Fail. 2026;14(3):102733. doi:10.1016/j. jchf.2025.102733
Empfohlene NT-proBNP-Cut-off-Werte ( pg / ml ) zur Diagnose einer Herzinsuffizienz
Alter < 50 Akute Situation, akute Dyspnoe HF unwahrscheinlich < 300 Grauzone 300 – 400 HF wahrscheinlich > 450
Nicht akute Situation, milde Symptome
HF unwahrscheinlich
< 150 Grauzone 125 – 600 HF wahrscheinlich > 600
Bei adipösen Patienten sollten die Cut-off-Werte halbiert werden.
Alter 50 – 75
300 – 900 > 900
Abkürzungen: HF = Herzinsuffizienz, NT-proBNP = N-Terminal Pro-B-Type Natriuretic Peptide Quelle: mod. nach (1)
Alter > 75
300 – 1800 > 1800
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