Transkript
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Rosenbergstrasse 115
«Lass kein Klo aus, geniesse jede Erektion und trau keinem Furz.» Das (sorry, aber solches wird im öffentlich rechtlichen Schweizer TV zitiert) gibt Jack Nicolson alias Edward, der todkranke Milliardär, im Film «The Bucket List» seinem Sekretär als Ratschlag fürs Alter mit auf den Weg. Drastisch, aber, na ja, auch nicht ganz unrealistisch.
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Rundschau-Streitgespräch über das Schweizer Bankgeheimnis zwischen Caspar Baader, Fraktionschef SVP, und Ulrich Thielemann, Wirtschaftsethik-Professor an der HSG. Nun sind Ethiker ohnehin ein eigenartiges Völklein. Nicht die Philosophen mit Spezialgebiet Ethik, wohl aber jene, die mit ihren Ethikvorstellungen unseren Alltag bereichern möchten. Aber so eigenartig? Anscheinend, denn wer anfänglich noch einen satirischen Comedian hinter einer Terrier-Maske vermutet hatte, realisierte nach einigen Minuten, wenn auch misstrauisch bis zum Schluss: da karikierte keiner einen Ethiker, nein, die Karikatur war echt!
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Ärzte machen selten Politik. Und wenn, dann eher diskret und im Stillen. Nicht so Kollege Karl Zweifel, Chirurg an einem Zürcher Privatspital. Zweifel kandidiert als SVP-Vertreter für den Zürcher Stadtrat, also die Regierung der grössten Schweizer Stadt. Er hat sich ziemlich laut eingeführt, jedenfalls wenn man den Leserbriefen glauben darf, die seine Qualifikation von Bundesrätin Widmer-Schlumpf anlässlich einer Parteiveranstaltung ausgelöst hat. Vielleicht liegt es daran, dass die Chirurgie an sich etwas Gewalttätiges an sich hat, schliesslich geht es dabei nicht ohne Messer und Blut ab. Und möglicherweise sind Chirurgen deshalb etwas toleranter
gegenüber Gewaltszenen und etwas drastischer in ihrer Ausdrucksweise. Das Publikum hingegen goutierte den Vergleich mit dem Mittelalter, in dem Verräter(innen) gelegentlich gevierteilt wurden, nicht. Nun denn, es ist nicht davon auszugehen, dass der Kollege demnächst dem Zürcher Gesundheitsdepartement vorstehen wird. Und obschon mehr Ärzte in der Politik durchaus wünschenswert wären, ist es vielleicht doch besser, der Kollege bleibt bei dem, was er gut kann. Er soll ja ein durchaus überlegterer Operateur als Redner als sein.
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Das aktuelle Wetter darf uns nicht dazu verleiten anzunehmen, wir gingen einer kleinen Eiszeit entgegen, auch wenn es nicht dazu angetan ist, unsere Angst vor einer Klimaerwärmung zu schüren. Die Entwicklung des Weltklimas ist nun mal nicht aus einzelnen Wintern und Sommern voraussagbar. Dass aber nicht nur wir Wetterlaien, sondern auch die Profis ihre Schwierigkeiten mit längerfristigen Prophezeiungen haben, das haben die kürzlich enthüllten Machenschaften der Klimakatastrophen-Lobby gezeigt. Offenbar haben deren Interessen den einen oder andern in der Vergangenheit dazu verleitet, die Wissenschaft etwas zu korrigieren beziehungsweise die Informationen über schmelzende Gletscher zu dramatisieren und die Methodik der Datenerhebung zu vernachlässigen. Ist ja auch verständlich. Geld fliesst nur dann in die Klimaforschung, wenn die Angst vor der Klimakatastrophe am Leben erhalten wird. Und da kann man im Dienst der guten wie der eigenen Sache schon mal vergessen zu erwähnen, dass beispielsweise die vergleichenden Daten, die angeblich eine Klimaerwärmung nachweisen, nicht auf den gleichen Breitengraden erhoben worden sind. Oder wie jemand meinte: Die Klimakatastrophe
hat sich in den letzten Monaten in eine Prognosen-Katastrophe verwandelt.
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In früheren Zeiten wurden die Überbringer schlechter Nachrichten geköpft. Heute werden sie gefeiert oder zumindest gehätschelt. Das ist menschlich gesehen ein Fortschritt und zumindest medial ein Erfolgsmodell.
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Schon wieder eine beruhigende Meldung für unsere nähere Zukunft. Zumindest bei Männern und Frauen über 70 garantiert ein Body-Mass-Index von 27 ein längeres Leben. Das Sterberisiko ist gemäss einer Studie aus Australien bei Übergewichtigen dieses Ausmasses um 13 Prozent niedriger als jenes von Normalgewichtigen.
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Dass man den zuviel eingekauften Schweinegrippe-Impfstoff (gegen H1N1) irgend jemandem andrehen kann, glaubt kaum einer mehr. Die Schweinegrippe ist out, wer wollte den Stoff noch kaufen? Er wird gelagert werden, bis das Ablaufdatum überschritten ist. Übrigens genau so wie die 8 Millionen Dosen Impfstoff gegen die Vogelgrippe (H5N1), die in der Armeeapotheke in Bern aufbewahrt werden. Die Industrie kann sich freuen, das nächste HxNx-Virus kommt bestimmt.
Richard Altorfer
ARS MEDICI 4 ■ 2010 133