Transkript
Universität Zürich
Übermüdung im Speichel messbar
Obwohl Müdigkeit weit verbreitet ist, liess sie sich bislang
nicht direkt und objektiv in Körperflüssigkeiten messen. Ein
Forschungsteam des Instituts für Rechtsmedizin und des
Instituts für Pharmakologie der Universität Zürich hat nun
untersucht, ob sich Schlafmangel anhand von Stoffwech-
selveränderungen im Speichel nachweisen lässt. Die Stu-
die liefert die ersten direkten Biomarker für Schlafmangel
im Speichel unter alltagsnahen Bedingungen und markiert
damit einen Meilenstein für die forensische Forschung.
Für die Studie untersuchten das Forschungsteam 20 ge-
sunde junge Männer, die normalerweise sieben bis neun
Stunden pro Nacht schlafen. Die Teilnehmer durchliefen in
zufälliger Reihenfolge drei Szenarien: eine Nacht ohne Schlaf,
vier Nächte mit jeweils zwei Stunden weniger Schlaf als üb-
lich sowie eine Kontrollbedingung mit rund acht Stunden
Schlaf. Anschliessend analysierte das Team die Speichelpro-
ben mit hochauflösender Massenspektrometrie und suchte
mithilfe von Verfahren des maschinellen Lernens nach mole-
kularen Mustern, die auf akuten Schlafentzug hinweisen.
Es zeigte sich, dass starke Übermüdung rund zehn Pro-
zent aller Biomoleküle im Speichel beeinflusst. Die Forscher
konnten zehn Biomarker identifizieren, die auf akuten Schlaf-
entzug hinweisen.
Das Projekt tritt nun in die nächste Phase. In einer gross
angelegten internationalen Feldstudie wird das patentierte
Biomarker-Set unter realitätsnahen Bedingungen validiert.
Dabei wird untersucht, ob die Methode auch in unterschied-
lichen Alltagssituationen zuverlässig Schlafmangel erkennt –
etwa bei Schichtarbeit oder unter dem Einfluss von Alko-
hol, Medikamenten oder anderen Faktoren.
Langfristig kann daraus ein Schnelltest entstehen, der
direkt vor Ort einsetzbar ist, um Übermüdung objektiv nach-
zuweisen. Ein solcher Test könnte die Sicherheit im Stras-
senverkehr erhöhen und auch in Bereichen der Arbeitswelt
zum Einsatz kommen, in denen Aufmerksamkeit und Kon-
zentration entscheidend sind.
vh
Quelle: Medienmiteilung Universität Zürich, 12.6.26
Zur Originalpublikation: Scholz M et al.: Leveraging the Metabolic Fingerprint of Sleep Deprivation and Sleep Restriction for Forensic Applications: A Machine Learning Study in Oral Fluid Metabolomics. J Proteome Res. 2026. doi:10.1021/acs.jproteome.5c01064
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