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ARS MEDICI – Schweizer Zeitschrift für Hausarztmedizin, liefert seit über 100 Jahren fundierte und seriöse Informationen für grundversorgende Ärzte. ARS MEDICI erscheint 12 mal pro Jahr in einer Auflage von 10'000 Exemplaren.

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Metainformationen


Titel
Warnung vor Wimpernseren
Untertitel
-
Lead
-
Datum
6. August 2026
Journal
ARS MEDICI 07/2026
Autoren
Valérie Herzog
Rubrik
MEDIEN - MODEN - MEDIZIN
Schlagworte
Allgemeine Innere Medizin, Glaukomtherapie, Hausarztmedizin, Kosmetik, Melanineinlagerung, Prostaglandin-Analoga, Prostaglandine, Wimpernserum
Artikel-ID
84233
Kurzlink
https://www.rosenfluh.ch/84233
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Als PDF öffnen

Transkript


Kosmetik-Trend mit Nebenwirkungen

Warnung vor Wimpernseren

Kosmetische Wimpernseren, insbesondere solche mit Pros-

taglandin-Analoga, haben durch soziale Medien eine hohe

Verbreitung gefunden. Prostaglandine werden eigentlich in

der Glaukomtherapie eingesetzt. Im Rahmen dieser Thera-

pie wurde beobachtet, dass bei einseitiger Anwendung die

Wimpern des behandelten Auges länger, dichter und dunk-

ler wurden.

Prostaglandine verlängern die anagene Wachstumsphase

der Haarfollikel und steigern die Melanineinlagerung, wo-

durch Wimpern und andere Haare pigmentierter, kräftiger

und länger werden. Dieselben Mechanismen führen jedoch

zu einer Reihe unerwünschter Wirkungen. Häufig treten kon-

junktivale Hyperämie, Reizung, Brennen und ein Fremdkör-

pergefühl auf; aus diesem Grund wird in der Glaukomthe-

rapie meist eine abendliche Applikation empfohlen, um die

sichtbare Rötung in die Nacht zu verlagern. Klinisch bedeut-

sam ist die vermehrte Melanineinlagerung nicht nur in den

Wimpern, sondern auch in der periorbitalen Haut mit Aus-

bildung dunkler Augenringe, die kosmetisch störend sind.

Besonders relevant ist die Irispigmentierung: Helle Iriden

(blau, grau, grün) können sich unter Therapie irreversibel in

Richtung braun verdunkeln. Zusätzlich kann es im Verlauf

zu einer Prostaglandin-assoziierten Atrophie des periorbi-

talen und retrobulbären Fettgewebes kommen. Dies führt

zu einem eingesunkenen Auge und einem «greisenhaften»

Gesichtsausdruck, der von Patienten als deutlich entstel-

lend erlebt werden kann.

Hinzu kommt, dass die verlängerten Wimpern unregelmäs-

sig wachsen können, teils gekrümmt oder in Fehlrichtung,

was wiederum mechanische Irritationen verursacht und kos-

metisch nicht immer als attraktiv empfunden wird. Wäh-

rend diese Nebenwirkungen bei einer Glaukomerkrankung

im Sinne einer Nutzen-Risiko-Abwägung akzeptiert werden

können, steht der rein kosmetische Einsatz von prostaglandin-

haltigen Seren in einem deutlich ungünstigeren Verhältnis.

Besonders kritisch ist die Anwendung in Schwangerschaft

und Stillzeit zu sehen, da Prostaglandine potenziell schwer-

wiegende Effekte auf Fetus und Neugeborenes haben können.

Die Identifikation solcher Produkte ist für Laien schwierig:

In der Inhaltsstoffliste finden sich häufig Bezeichnungen

mit der Silbe „prost“, etwa Latanoprost oder Isopropyl Clo-

prostenate. Angaben wie „hormonfrei“ sind nicht zuverläs-

sig, da für Kosmetika im Gegensatz zu Arzneimitteln keine

vollständige Deklarationspflicht aller wirksamen Bestand-

teile besteht. 

vh

Quelle: Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), 1. Juli 2026

MEDIEN | MODEN | MEDIZIN
ars medici 7 | 2026 297


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