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KONGRESS
Entzündungshemmung
Sind die JAK-Hemmer das neue Cortison?
Durch Januskinase(JAK)-Hemmer-Inhibitoren wird die Entzündungskaskade schon weit oben gebremst, was sich in der Behandlung bei Psoriasis und atopischem Ekzem bereits bewährt hat. Etliche neue JAK-Hemmer – topisch und oral – stehen in den Startlöchern für eine Reihe weiterer chronisch entzündlicher Hauterkrankungen, wie auf dem Kongress der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) deutlich wurde.
Lange mussten sich Hautärzte mit dem Vorurteil herumschlagen, dass ihnen bei chronischen Hautentzündungen nichts anderes einfiele, als Kortikosteroide zu verordnen. Das hat sich mit der Einführung der Biologika grundlegend geändert. Damit können die jeweils wichtigsten Entzündungsmediatoren für die einzelnen Indikationen gezielt gehemmt werden. Doch nun bahnt sich ein neuer Paradigmenwechsel an: Mit den JAK-Hemmern lassen sich die spezifischen Signalwege der jeweiligen Entzündung und damit gleich mehrere proinflammatorische Zytokine hemmen. Anders als die meisten Biologika können diese oral und teilweise sogar topisch verabreicht werden. Prof. Dr. Kamran Ghoreschi von der Charité Berlin stellte auf dem Kongress der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie in Paris die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten sowie die Ergebnisse der klinischen Forschung mit JAK-Hemmern vor.
Topische JAK-Hemmer Topisches Ruxolitinib (Opzelura®) ist zugelassen für die Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit nicht segmentaler Vitiligo, die auch das Gesicht betrifft. Die Ruxolitinib-Creme wird zweimal täglich auf die depigmentierte Haut aufgetragen; die Anwendung sollte nicht mehr als 10% der Körperoberfläche gleichzeitig umfassen. Zudem ist der topische JAK1+2-Hemmer Ruxolitinib bereits von der FDA für die Behandlung von leichter bis mittelschwerer atopischer Dermatitis (AD) ab 12 Jahren zugelassen. Prof. Ghoreschi berichtete von aktuellen Studien, in denen sich topisches Ruxolitinib auch bei milder Hidradenitis suppurativa (1), discoidem Lupus erythematodes (CLE) (2) und chronischem Handekzem (CHE) (3) als vorteilhaft erwiesen hat.
Für CHE ist bereits ein anderer topischer JAK-Hemmer auf dem Markt: Delgocitinib (Anzupgo®). Mittlerweile belegen Langzeitstudien, dass die Delgocitinib-Creme auch bei einer zweimal täglichen Anwendung über mehr als ein Jahr effektiv und gut verträglich bleibt (4). Systemische Effekte wurden nicht beobachtet. Laut aktuellen Studien könnte Delgocitinib auch eine Option bei Patienten mit atopischer Dermatitis mit Läsionen an Hals und Gesicht sein, so Prof. Ghoreschi weiter (5). Prof. Dr. Alexa Kimball von der Harvard Universität Massachusetts ergänzte, dass Delgocitinib derzeit auch bei Lichen planus erprobt werde (6).
Andere topisch anwendbare JAK-Hemmer befinden sich noch in der Forschungsphase. Derzeit laufen klinische Phase-II-Studien mit Tofacitinib-Salbe bei Patienten mit AD, Psoriasis, Vitiligo sowie Lichen planus. Auch eine Creme mit dem experimentellen Wirkstoff Cerdulatinib wird derzeit bei AD und kutanem LE getestet. Des Weiteren könnte auch topisches Brepocitinib künftig bei AD, Psoriasis und Alopecia areata (AA) eine Option sein, falls die Studien erfolgreich verlaufen.
Orale JAK-Hemmer Als orale Therapieoption bei AD und auch bei AA ist Baricitinib (Olumiant®) verfügbar. Aktuelle Real-World-Daten bestätigen für diesen JAK1/2-Inhibitor sowohl bei AD als auch bei moderater bis schwerer AA die Wirksamkeit und Verträglichkeit (7).
Der JAK1-Hemmer Upadacitinib (Rinvoq®) hat sich ebenfalls bei AD bewährt – auch in der Langzeitbehandlung bei schweren Formen der AD (8). Neuere Studien weisen darauf hin, dass Upadacitinib auch eine Option bei AA sein könnte, sogar wenn Baricitinib nicht ausreichend gewirkt habe, so Prof. Ghoreschi (9).
Abrocitinib (Cibinqo®) – hemmt ebenfalls JAK1 – ist zugelassen für Patienten mit moderater bis schwerer AD und hat sich als besonders vorteilhaft bei Läsionen im Gesicht und Hals erwiesen (10).
Ritlecitinib (Litfulo®) ist seit 2025 in der Schweiz für die Behandlung bei Alopecia areata zugelassen. Wie Prof. Ghoreschi von einer Phase-IIb-Studie mit dem JAK2-Hemmer berichtete, könnte Ritlecitinib in Kombination mit UV-Bestrahlung auch zur Repigmentierung bei Vitiligo verhelfen (11).
Und auch bei Psoriasis sind die JAK-Hemmer im Kommen: Deucravacitinib (Sotyktu®) hat sich in der EU bereits seit 2023 zur Behandlung bei moderater und schwerer Plaque-Psoriasis bewährt (12). Er zeigt auch positive Effekte bei kutanem Lupus erythematodes (13).
Pralle Forschungspipeline Und es ist noch viel in der Forschungspipeline – sowohl bei den Indikationen als auch bei neuen Substanzen. Laut Prof. Kimball werden in der klinischen Forschung in Phase III vor allem folgende Indikationen untersucht:
dermatologie & ästhetische medizin 1 | 2026
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KONGRESS
• Atopische Dermatitis • Alopecia areata • Chronisches Handekzem • Dermatomyositis • Hidradenitis suppurativa • Prurigo nodularis • Sjogren Syndrom • Vitiligo.
Wie die Expertin berichtete, sind ausser bei den häufigen Krankheitsbildern AD, AA, Psoriasis und Vitiligo auch bei den seltenen Erkrankungen Hidradenitis suppurativa (HS) und Dermatomyositis (DM) die Forschungen schon bis zur Phase III gediehen.
JAK-Hemmer bei Dermatomyositis Prof. Kimball wies in ihrem Vortrag besonders auf die Fortschritte bei Dermatomyositis hin – einer seltenen, aber schmerzhaften und mit Lähmungen und Krämpfen einhergehenden Erkrankung, die aufgrund ihrer Hautverfärbungen auch Lila-Krankheit genannt wird. So konnten mit dem bereits in der Rheumatologie eingesetzten Tofacitinib (14) und Baricitinib (15,16) Erfolge bei Patienten mit Dermatomyositis erzielt werden. Mit Brepocitinib zeigte sich in einer Phase-III-Studie ein deutlicher Rückgang der Krankheitsaktivität (17).
Auch Hidradenitis suppurativa (HS) ist eine seltene Hautentzündung, die mit einer hohen Krankheitslast einhergeht. Daher wird hier mit Hochdruck geforscht. Und das mit Erfolg: mit dem JAK-Hemmer Povorcitinib konnte in einer PhaseIII-Studie nach 18 Wochen bei über 60% der Patienten eine Halbierung des Symptomscores erreicht werden (18–20). Auch mit Upadacitinib lässt sich bei knapp der Hälfte der Studienteilnehmer ein solcher Rückgang der Symptome nach 12 Wochen erzielen (21–23) – und der hält über 40 Wochen an, wie Prof. Kimball berichtete (24). Auch Deucravacitinib wird derzeit bei HS erprobt, doch hier stehen die Ergebnisse noch aus.
Weitere JAK-Hemmer sind derzeit in der klinischen Forschung. Beispielsweise Zasocitinib, für das in einer Phase-III-Studie bei 80% der Patienten mit Plaque-Psoriasis eine Verbesserung im PASI-Score um 75% belegt werden konnte (25).
Angelika Ramm-Fischer
Quelle: Update-Session «JAK-Inhibitors», Presentation: Prof. Dr. Kamran Ghoreschi (Berlin): «Approved drugs an their Indications», Prof. Dr. Alexa B. Kimball (Boston, USA): «Pipeline of systemic and topical JAKs», im Rahmen der Jahrestagung der European Academy for Dermatology and Venerology (EADV) 2025, 17.09.2025 in Paris.
Referenzen: 1. Porter ML et al.: Efficacy and Safety of Ruxolitinib Cream in Patients
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