Transkript
Kosmetik-Trend mit Nebenwirkungen
Warnung vor Wimpernseren
Kosmetische Wimpernseren, insbesondere solche mit Pros-
taglandin-Analoga, haben durch soziale Medien eine hohe
Verbreitung gefunden. Prostaglandine werden eigentlich in
der Glaukomtherapie eingesetzt. Im Rahmen dieser Thera-
pie wurde beobachtet, dass bei einseitiger Anwendung die
Wimpern des behandelten Auges länger, dichter und dunk-
ler wurden.
Prostaglandine verlängern die anagene Wachstumsphase
der Haarfollikel und steigern die Melanineinlagerung, wo-
durch Wimpern und andere Haare pigmentierter, kräftiger
und länger werden. Dieselben Mechanismen führen jedoch
zu einer Reihe unerwünschter Wirkungen. Häufig treten kon-
junktivale Hyperämie, Reizung, Brennen und ein Fremdkör-
pergefühl auf; aus diesem Grund wird in der Glaukomthe-
rapie meist eine abendliche Applikation empfohlen, um die
sichtbare Rötung in die Nacht zu verlagern. Klinisch bedeut-
sam ist die vermehrte Melanineinlagerung nicht nur in den
Wimpern, sondern auch in der periorbitalen Haut mit Aus-
bildung dunkler Augenringe, die kosmetisch störend sind.
Besonders relevant ist die Irispigmentierung: Helle Iriden
(blau, grau, grün) können sich unter Therapie irreversibel in
Richtung braun verdunkeln. Zusätzlich kann es im Verlauf
zu einer Prostaglandin-assoziierten Atrophie des periorbi-
talen und retrobulbären Fettgewebes kommen. Dies führt
zu einem eingesunkenen Auge und einem «greisenhaften»
Gesichtsausdruck, der von Patienten als deutlich entstel-
lend erlebt werden kann.
Hinzu kommt, dass die verlängerten Wimpern unregelmäs-
sig wachsen können, teils gekrümmt oder in Fehlrichtung,
was wiederum mechanische Irritationen verursacht und kos-
metisch nicht immer als attraktiv empfunden wird. Wäh-
rend diese Nebenwirkungen bei einer Glaukomerkrankung
im Sinne einer Nutzen-Risiko-Abwägung akzeptiert werden
können, steht der rein kosmetische Einsatz von prostaglandin-
haltigen Seren in einem deutlich ungünstigeren Verhältnis.
Besonders kritisch ist die Anwendung in Schwangerschaft
und Stillzeit zu sehen, da Prostaglandine potenziell schwer-
wiegende Effekte auf Fetus und Neugeborenes haben können.
Die Identifikation solcher Produkte ist für Laien schwierig:
In der Inhaltsstoffliste finden sich häufig Bezeichnungen
mit der Silbe „prost“, etwa Latanoprost oder Isopropyl Clo-
prostenate. Angaben wie „hormonfrei“ sind nicht zuverläs-
sig, da für Kosmetika im Gegensatz zu Arzneimitteln keine
vollständige Deklarationspflicht aller wirksamen Bestand-
teile besteht.
vh
Quelle: Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), 1. Juli 2026
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