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Ergebnisse der SWIFS-Studie 2024
Stillen und Säuglingsernährung in der Schweiz
Bereits in den ersten Lebensjahren stellt die Ernährung, wie beispielsweise das Stillen oder die Zufuhr von Mikronährstoffen, einen wichtigen Gesundheitsfaktor dar. Die Schweizer Säuglingsernährungsstudie (SWIFS) 2024 untersuchte zum vierten Mal seit Beginn des Säuglingsernährungsmonitorings im Jahr 1994 das aktuelle Stillverhalten, die Einführung von Beikost, Aspekte der frühkindlichen Prävention und damit verbundene Faktoren.
Julia Dratva, Sibylle Juvalta
Die ersten Lebensmonate eines Säuglings sind geprägt von schnellem körperlichem Wachstum sowie der Entwicklung des Nervensystems, der Organe und der
Psyche. Um einen gesunden Start zu gewährleisten, fördern
Gesundheitsfachkräfte eine altersgerechte Ernährung so-
wie präventive Massnahmen und Vorsorgeuntersuchungen
auf Gesundheitsrisiken in der Schwangerschaft und im
Säuglingsalter. Aktuelle Erkenntnisse deuten auf die schüt-
zende Wirkung des Stillens hin, insbesondere in Bezug auf
Säuglingssterblichkeit, Adipositas, Diabetes (Typ 1),
Atemwegs- und Magen-Darm-Infektionen,
Asthma, chronische Darmentzündun-
gen, Leukämie im Kindesalter sowie
Blutdruck und Cholesterinwerte im
Erwachsenenalter (1). Hinsichtlich
der gesundheitlichen Auswirkun-
gen des Stillens für Mütter gibt es
gute Belege für eine schützende
Wirkung gegenüber Typ-2-Diabe
tes und Brustkrebs (2). Allerdings
Julia Dratva
(Foto: zVg)
weisen Studien oft Einschränkungen auf. Es wurden nur sehr wenige
Längsschnittstudien durchgeführt,
um einen Kausalzusammenhang
nachzuweisen, und die Erinnerung
an die Stilldauer kann verzerrt sein.
Die WHO (World Health Orga-
nization) empfiehlt sechs Monate
ausschliessliches Stillen und das
Weiterstillen bis zum Alter von zwei
Jahren (3). In europäischen Län-
dern, in denen Kostenwirksamkeit
Sibylle Juvalta
(Foto: zVg)
und Hygiene weniger im Vordergrund stehen, und angesichts der
aktuellen Erkenntnisse zur optima-
len Dauer des ausschliesslichen
Stillens (4 vs. 6 Monate) (4), sind die Empfehlungen oft of-
fener und flexibler (5). Die Schweizerische Gesellschaft für
Pädiatrie, pädiatrie schweiz, empfiehlt das ausschliessli-
che Stillen in den ersten vier Monaten und weist darauf hin,
dass das ausschliessliche Stillen bis zum 6. Monat ein er-
strebenswertes Ziel ist. Darüber hinaus empfiehlt sie, das Stillen fortzusetzen und bereits ab dem 5. Lebensmonat schrittweise Beikost einzuführen (6,7). Diese Empfehlung wird auch von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung unterstützt (8). Des Weiteren ist die regelmässige Inanspruchnahme von Schwangerschaftskontrollen und kindlichen Vorsorgeuntersuchungen für Mutter und Kind von zentraler Bedeutung. Sie ermöglichen die frühzeitige Erkennung und Prävention von Gesundheitsrisiken und wirken sich sowohl kurz- als auch langfristig positiv auf die Gesundheit von Mutter und Kind aus. Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt die Kosten für sieben Kontrolluntersuchungen in der Schwangerschaft (9), und pädiatrie schweiz empfiehlt 15 Vorsorgeuntersuchungen (10) von der Geburt bis zum 14. Lebensjahr, um Vorsorge- und Präventionsleistungen in relevanten Zeitfenstern sicherzustellen.
Mit der Einführung der «Baby Friendly Hospital Initiative» durch die WHO und UNICEF (United Nations Children’s Fund) im Jahr 1991 (11) und der Umsetzung des WHO-Beschlusses, bis 1995 in allen Mitgliedsländern nationale Komitees zur Förderung des Stillens einzurichten, gewann die Stillförderung weltweit an Aufmerksamkeit. 1994 wurde in der Schweiz ein Stillmonitoring eingeführt, und seitdem wurden drei nationale Erhebungen zur Säuglingsernährung durchgeführt in den Jahren 1994, 2003 und 2014 (12–14). SWIFS 2024 stellt die vierte Monitoring-Studie dar. Der Schwerpunkt der Erhebungen liegt jeweils auf dem Stillen, der Beikost sowie der Vitamin- und Mineralstoffzufuhr von Schwangeren und Säuglingen. Im Lauf der Zeit wurden zunehmend Fragen zur Prävention und Beratung in der Schwangerschaft und im Säuglingsalter aufgenommen.
Die «Stillstudien» zeigen neben Erkenntnissen zu soziodemografischen Determinanten des Stillens auch die Bedeutung soziokultureller und struktureller Faktoren für Stillpraktiken. So ermöglichten beispielsweise die Daten aus den SWIFS-Erhebungen von 2014 und 2024 eine Bewertung der Umsetzung der Arbeitsverordnung 1 (ArGV 1), da in beiden Studien das Arbeitsumfeld erfragt wurde. Das Gesetz wurde 2014 überarbeitet und umfasst seitdem unter anderem die Vergütung der am Arbeitsplatz für das Stillen aufgewendeten Zeit sowie weitere stillfördernde Aspekte.
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Abbildung 1: Grafische Darstellung der Stillindikatoren
Ausschliessliches Stillen: Zeitraum, in welchem der Säugling nur Muttermilch erhält Volles Stillen: Zeitraum, in welchem der Säugling Muttermilch und ev. Tee erhält (keine Beikost, keine Säuglingsmilch) Teilweises Stillen: Zeitraum, in welchem der Säugling Muttermilch und Beikost oder Säuglingsmilch erhält Totalstilldauer: Zeitraum, in welchem der Säugling Muttermilch erhält
Quelle: SWIFS 2024
Methoden und Stichprobe SWIFS 2024 ist eine Querschnittsstudie zur Säuglingsernährung, die auf eine repräsentative Stichprobe abzielt. Im Jahr 2024 basierte die Stichprobe erstmals auf einer Zufallsstichprobe von 4040 Müttern mit Säuglingen im Alter von 0 bis 12 Monaten, die aus dem Stichprobenrahmen des Bevölkerungsregisters des Bundesamtes für Statistik (BFS) gezogen wurde. Die Mütter wurden per Post eingeladen, an einer Online-Umfrage auf Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch teilzunehmen. Bei früheren Erhebungen wurden Mütter über die Mütter- und Väterberatung rekrutiert und zufällig ausgewählt, was zwar mit einer Selektionsverzerrung einherging, aber Säuglinge unmittelbar nach der Geburt erfasste. Die BFS-Stichprobe enthielt aus Gründen der Aktualisierung der Bevölkerungsstatistik keine Säuglinge im Alter von 0 bis 2 Monaten.
Lesetipps
• Juvalta S et al.: Final report SWIFS - Swiss Infant Feeding Study 2024: national monitoring on infant feeding in the first year of life. ZHAW Zurich University of Applied Sciences; 2025. https://doi.org/10.21256/zhaw-2576
• Patnode CD et al.: Breastfeeding and Health Outcomes for Infants and Children: A Systematic Review. Pediatrics. 2025;156(1):e2025071516. https://doi.org/10.1542/peds.2025-071516
• Eidgenössische Ernährungskommission. Ernährung in den ersten 1000 Lebenstagen – von pränatal bis zum 3. Geburtstag. Expertenbericht der EEK. Zürich: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, 2015. https://www.stillfoerderung.ch/logicio/ client/stillen/archive/document/Publikationen/EEK_dt.pdf [Retrieved on 23.06.2025]
Um die Vergleichbarkeit sicherzustellen, strebte SWIFS 2024 eine hohe Ähnlichkeit mit früheren Erhebungen an, insbesondere hinsichtlich der Indikatoren zum Stillen (siehe Abbildung 1) und zur Beikost und der damit verbundenen Themen und analytischen Konzepte. Gleichzeitig wurden neue Themen wie die digitale Informationssuche und, wo relevant, neue Methoden eingeführt. Die Erhebung umfasste vorwiegend Fragen zum Zeitpunkt des Abstillens und zur Einführung von Beikost (retrospektive Daten) sowie einen 24-Stunden-Fragebogen zur Säuglingsernährung, um die aktuelle Säuglingsernährung zu erfassen. Der vollständige Fragebogen ist im Studienbericht (15) zu finden. Zusätzlich zu deskriptiven Auswertungen wurden Überlebenszeitanalysen und multivariate Regressionsanalysen durchgeführt. Gewichtete Analysen der Stillprävalenz und -dauer wurden berechnet, um die Nichtrepräsentativität durch Selektionsverzerrung zu bereinigen.
Die Rücklaufquote betrug 34% und lag damit unter dem Wert früherer Erhebungen; angesichts des allgemeinen Rückgangs der Rücklaufquoten bei Studien stellt dies jedoch ein gutes Ergebnis dar. Die Teilnehmenden verteilten sich auf alle Regionen der Schweiz. 1269 Datensätze waren für die Datenanalyse geeignet. Im Durchschnitt waren die Teilnehmerinnen 33,8 Jahre alt. 23,2% der Mütter hatten einen Migrationshintergrund, und 69,2 % gaben einen höheren Bildungsabschluss an. Im Vergleich zu nationalen Daten zur weiblichen Bevölkerung mit einem Säugling/Neugeborenen war die Stichprobe der Studie etwas älter, die Teilnehmerinnen waren häufiger Schweizerinnen und verfügten über einen höheren Bildungsabschluss. 60% waren Erstgebärende, und das Durchschnittsalter der Säuglinge betrug 7,4 Monate.
Stillen und Beikost Die Daten der SWIFS-Studie zeigen eine hohe Übereinstimmung der Still- und Beikostpraktiken mit den aktuellen Schweizer Empfehlungen. Die anfängliche Stillprävalenz war hoch: 97% der Mütter hatten ihr Kind unmittelbar nach der Geburt gestillt. In Tabelle 1 ist dargestellt, welcher Anteil von Säuglingen nach Altersmonat gemäss den Angaben der Mütter im 24-Stunden-Ernährungsprotokoll jeweils ausschliesslich gestillt, voll gestillt oder gestillt wurde bzw. Beikost erhielt. Der Vergleich mit den SWIFS-Daten aus dem Jahr 2014 zeigt, dass im Jahr 2024 in allen Altersmonaten ein höherer Anteil der Säuglinge mindestens einmal gestillt wurden. Besonders deutlich sind die Unterschiede bei den 7 bis10 Monate alten und über 10 Monate alten Säuglingen. Weiterführende Analysen zeigen, dass dies insbesondere darauf zurückzuführen ist, dass im Jahr 2024 einerseits der Anteil der abgestillten Säuglinge geringer war und andererseits mehr Mütter teilweises Stillen praktizierten, d.h. zusätzlich zu Beikost oder Säuglingsmilch auch stillten. Aufgrund der hohen Stillrate der Mütter konnte die mediane Totalstilldauer nicht berechnet werden.
Die häufigsten Gründe für sekundäres Abstillen waren zu wenig Milch, Hunger des Säuglings und Erschöpfung der
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Mutter, gefolgt von der Unvereinbarkeit mit dem Beruf. Berufliche Unvereinbarkeit war unter berufstätigen Müttern der häufigste Grund.
Beikost, Wasser, Tee oder Säuglingsnahrung wurden zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat eingeführt, wie von der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie empfohlen. Sobald die erste Beikost eingeführt wurde, wurde relativ schnell eine Vielzahl weiterer Lebensmittel eingeführt (siehe Abbildung 2).
Die Einführung von Beikost zeigte 2024 ein ähnliches Muster und einen ähnlichen Zeitplan wie 2014. Die Empfehlungen zu bestimmten Lebensmitteln, wie z. B. gesüssten Lebensmitteln, Kuhmilch oder Gluten, wurden hingegen besser befolgt. So hatten im Alter von 12 Monaten nur 25% der Säuglinge im Vergleich zu 50% im Jahr 2014 gesüsste Getränke und Lebensmittel erhalten. 5% der Kinder unter 12 Monaten erhielten Kuhmilch, meist nach dem 6. Lebensmonat. Die Hälfte der Säuglinge erhielt im Alter von 6 Monaten Getreidebreie, und im Vergleich zu 2014 erhielten mehr Säuglinge glutenhaltige Getreidebreie, wie empfohlen.
Assoziierte Faktoren Multivariate Cox-Regressionsanalysen zeigen, dass mütterliche Faktoren wie das Einkommen (Hazard Ratio [HR]: 0,55; Konfidenzintervall [KI]: 0,37–0,85) und die Einstellung des Partners, von Freunden und der Familie (HR: 0,49; KI: 0,27–0,89) mit einem geringeren Risiko für ein früheres Abstillen assoziiert waren, während Rauchen (HR: 2,90; KI: 1,71–4,90) oder ein Body-Mass-Index (BMI) > 30 (HR: 1,80; KI: 1,17–2,78) mit einem höheren Risiko verbunden waren. Die Erwerbstätigkeit der Mutter war mit einem erhöhten Hazard für das Beenden des ausschliesslichen Stillens verbunden (HR: 1,22; KI: 1,01–1,48). Unter den Säuglingsfaktoren ist ein hohes Geburtsgewicht (HR: 0,53; KI: 0,29–0,95) mit einem geringeren Risiko für früheres Abstillen und Gesundheitsprobleme (HR: 1,53; 1,11–2,11) mit einem höheren Risiko assoziiert. Darüber hinaus war ein Kaiserschnitt im Vergleich zur spontanen Geburt nicht mit dem Abstillen assoziiert (HR: 1,15 KI: 0,80–1,64). Bei der Beikost war sowohl ein höherer Bildungsgrad beider Elternteile (HR: 1,41; KI: 1,11–1,79) als auch die Rückkehr
Abbildung 2: Verzehr verschiedener Lebensmittel in den letzten 24 Stunden, nach Lebensmonat (24-Stunden-Ernährungs-Protokoll)
Quelle: SWIFS 2024
der Mutter in den Beruf (HR: 1,35; KI: 1,12–1,63) mit einer früheren Einführung fester Nahrung verbunden, während die deutsch-/italienischsprachige Region (HR: 0,72; KI: 0,57–0,89) mit einer späteren Einführung assoziiert war. Das Alter der Mutter (HR: 0,90; KI: 0,62–1,30) oder das Geschlecht des Säuglings (HR: 0,91; KI: 0,78–1,08) spielte im Vergleich zu 2014 weder fürs Abstillen noch für die Beikost eine Rolle.
Arbeitsumfeld und Stillen Im Vergleich zu 2014 waren mehr Mütter über ihre Rechte als stillende Arbeitnehmerinnen informiert, wenn auch nur ein Drittel von ihrem Arbeitgeber informiert wurde. Jede zehnte Mutter gab an, überhaupt nicht über ihre Rechte informiert worden zu sein. Ebenso haben sich die Bereitstellung geeigneter Räume zum Stillen (56%) und die Verfügbarkeit von Kühlschränken (84%) verbessert. Unter den Frauen, die wieder in den Beruf zurückgekehrt waren, vergüteten 77% der Arbeitgeber die für das Stillen oder Abpumpen von Muttermilch am Arbeitsplatz aufgewendete Zeit finanziell (74% vollständig, 3% zur Hälfte).
Diskussion und Empfehlungen SWIFS 2024 ergab eine Zunahme der Totalstilldauer und des ausschliesslichen Stillens und damit eine Fortsetzung des
Tabelle 1: Säuglingsernährung in den letzten 24 Stunden nach Altersgruppen*
Ausschliesslich gestillt Voll gestillt
Alter des Säuglings 2014
1–2 Monate**
71%
3–4 Monate
62%
5–6 Monate
26%
7–10 Monate
0%
≥ 10 Monate
0%
2024 – 68% 25% 1% 0%
2014 74% 68% 27% 1% 0%
2024 – 68% 25% 1% 0%
Gestillt (mindestens einmal Beikost (mindestens einmal
in den letzten 24 Stunden) in den letzten 24 Stunden)
2014
2024
2014
2024
81%
–
0%
78%
85%
2%
7%
63%
85%
66%
72%
39%
70%
98%
99%
30%
53%
99%
100%
* basierend auf dem 24-Stunden-Stillprotokoll 2014 und 2024, ** Säuglinge dieser Altersgruppe waren nicht Teil der BFS-Stichprobe Quelle: SWIFS 2024
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Schlussfolgerungen
• Mütter, die an SWIFS 2024 teilnahmen, hielten sich in hohem Masse an die Empfehlungen zur Säuglingsernährung.
• Die Dauer des ausschliesslichen und des totalen Stillens hat im Vergleich zu 2014 zugenommen.
• Das Haushaltseinkommen, Rauchen und Adipositas bleiben Faktoren, die mit einem früheren Abstillen signifikant in Zusammenhang stehen.
• Die Einstellung zum Stillen von Personen im Umfeld der Mutter steht in Zusammenhang mit der Stilldauer und bietet einen zusätzlichen Ansatz zur Förderung des Stillens.
• Arbeitgeber sollten stillende Mütter aktiv über ihre Rechte informieren und so eine stillfreundliche Arbeitskultur schaffen.
Schweizer Trends seit der ersten Erhebung im Jahr 1994. Die mediane Stilldauer in der Schweiz stieg von 22 Wochen im Jahr 1994 auf 31 Wochen in den Jahren 2003 und 2014 (12,13), und im Jahr 2024 stillten 53% der Mütter ihr Kind noch im Alter von 10 Monaten.
Die Studie zeigte auch, dass einige Einflussfaktoren weiterhin Bestand haben. So wiesen Mütter mit hohem Haushaltseinkommen im Vergleich zu anderen Einkommensgruppen ein geringeres Risiko für ein früheres Abstillen auf. Frauen, die zum Zeitpunkt der Befragung rauchten, hatten früher abgestillt. Rauchende Mütter wissen wahrscheinlich, dass sich Nikotin in der Muttermilch anreichert und dem Kind schaden kann (16). Die Analysen zeigen ferner, dass Unentschlossenheit hinsichtlich Stillen mit einem höheren Risiko für ein früheres Abstillen verbunden ist. Hingegen waren enge Bezugspersonen mit einer positiven Einstellung zum Stillen mit einer längeren Stilldauer assoziiert. Dieses Ergebnis könnte Fachkräfte dazu anregen, das Thema nicht nur mit der Mutter, sondern auch mit Personen aus ihrem engsten Umfeld bereits vor der Geburt anzusprechen. Unter den untersuchten Einflussfaktoren des Säuglings waren Gesundheitsprobleme des Säuglings in den ersten Lebenstagen mit einer verkürzten Dauer aller drei Stillindikatoren verbunden. Ein hohes Geburtsgewicht war mit einem geringeren Risiko für ein früheres Abstillen sowie einer längeren Dauer des vollen oder ausschliesslichen Stillens verbunden. Der Einfluss des Geburtsgewichts auf die Stilldauer steht im Einklang mit anderen europäischen Studien, und es wird vermutet, dass Säuglinge mit höherem Geburtsgewicht über eine bessere Gesundheit und bessere Fütterungsfähigkeiten verfügen (17,18). Ein hohes Geburtsgewicht sollte jedoch
LINKTIPP
Website Forschung Public Health
nicht generell als Schutzfaktor dargestellt werden, da ein Geburtsgewicht über 4000 Gramm mit Fettleibigkeit im
Kindesalter assoziiert ist (19,20). Die Erwerbstätigkeit der Mütter war ein bedeutender Fak-
tor, der mit einer kürzeren Dauer des ausschliesslichen Stil-
lens verbunden war, jedoch keinen Einfluss auf das volle oder totale Stillen hatte. Im Jahr 2014 wurde die neue Gesetzgebung zum Stillen am Arbeitsplatz eingeführt. Die
Daten zeigen eine Verbesserung, jedoch noch keine zufriedenstellende Veränderung im Informationsstand über die Rechte stillender berufstätiger Mütter, die Verfügbarkeit von
Stillräumen und Kühlschränken sowie die tatsächliche Nutzung dieser Rechte. Letzteres ist höchstwahrscheinlich auf eine Kombination struktureller Faktoren zurückzuführen –
z.B. gesellschaftliche Einstellungen wie die Akzeptanz des Stillens am Arbeitsplatz – sowie auf individuelle Faktoren, einschliesslich der geringen Zahl von Frauen, die sich tat-
sächlich wohl dabei fühlen, am Arbeitsplatz zu stillen oder Milch abzupumpen.
Beikost wird hauptsächlich zwischen dem 5. und 7. Monat
eingeführt, was den Schweizer Empfehlungen entspricht, und zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie im Jahr 2014 und 2024, jedoch früher als im Jahr 2003 (13,14). Positiv ist auch zu
vermerken, dass ähnlich wie 2014, aber im Gegensatz zu 2003 fast keine Beikost vor dem Alter von 4 Monaten eingeführt wurde. Die Einführung von Beikost in der Schweiz mit
einem medianen Einführungsalter von 5 Monaten ähnelt der in anderen europäischen Ländern (21,22). Während Einkommen nicht signifikant mit der dem Zeitpunkt der Beikostein-
führung assoziiert war, erwies sich der Bildungsgrad beider Elternteile – eine andere sozioökonomische Determinante – als signifikant, genau wie in den Jahren 2014 oder 2003.
Trotz der Zufallsstichprobe des BFS muss von einer selektiven Teilnahme ausgegangen werden, was zu einer verzerrten Stichprobe geführt haben könnte. Gewichtete Sensitivi-
tätsanalysen für die relevanten Risikofaktoren – mütterliche Bildung, Raucherstatus, Nationalität und Alleinerziehende – lieferten für unsere Hauptendpunkte und Indikatoren die
gleichen Ergebnisse. Allerdings konnten wir nicht für Einkommen oder andere potenzielle Verzerrer gewichten. In zukünftigen Erhebungen sollten ältere Kinder, z.B. im Alter
von 0 bis 24 Jahren, einbezogen werden, um dem Trend zu längerem Stillen Rechnung zu tragen. Ferner lagen uns keine Daten von Kindern im Alter von 0 bis 2 Monaten vor, wobei
das die Schätzung der Stilldauer oder Beikosteinführung nicht beeinträchtigen sollte.
julia.dratva@unibas.ch
Korrespondenzadressen: Prof. Dr. med. Julia Dratva, MPH ZHAW Gesundheit Institut für Public Health Katharina-Sulzer-Platz 9 8400 Winterthur E-Mail: julia.dratva@unibas.ch
Medizinische Fakultät Basel
Sibylle Juvalta MSc Public Health wissenschaftliche Mitarbeiterin ZHAW Gesundheit Institut für Public Health Katharina-Sulzer-Platz 9 8400 Winterthur E-Mail: sibylle.juvalta@zhaw.ch
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