Transkript
SCHWERPUNKT
Richtig und vollständig impfen!
www.meineimpfungen.ch kann dabei helfen
Die erste Version des schweizerischen elektronischen Impfausweises meineimpfungen.ch ging vor rund vier Jahren online. Die Nutzerzahlen sind derzeit noch überschaubar, doch das soll sich nun ändern. Wir sprachen mit Dr. med. Daniel Desgrandchamps, der neben seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Sekretär des Präsidenten der Eidgenössischen Kommission für Impffragen EKIF als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Genf für die Stiftung meineimpfungen tätig ist.
P ädiatrie: Herr Dr. Desgrandchamps, wer steht hinter «meineimpfungen.ch»? Dr. med. Daniel Desgrandchamps: Dahinter steht die gemeinnützige Stiftung «meineimpfungen». Im Stiftungsrat sind drei Gründungsorganisationen vertreten: die Universität Genf, die Ärztekasse und die Firma Arpage, die seit Jahren im Bereich E-Health tätig ist. Der Anstoss für das Projekt kam vor Jahren von Frau Prof. Claire-Anne Siegrist, Lehrstuhlinhaberin für Vakzinologie an der Universität Genf. Zwecks Entwicklung eines elektronischen Impfdossiers gründete sie gemeinsam mit dem Programmierer Gerhard Schmutz die Firma Viavac, die ein elektronisches Impfexpertensystem entwickelte, das Viavac-CDSS*. Das waren die Anfänge. Es gibt eine App für Patienten und eine PC-/Mac-Applikation von Viavac, die vor allem von Apothekern benutzt wird. Im grösseren Stil, mit dem webbasierten, interaktiven System meineimpfungen.ch für Patienten und Fachpersonen, sind wir vor vier Jahren gestartet.
Wie wird das Projekt finanziert? Desgrandchamps: Das BAG unterstützt meineimpfungen.ch teilweise, darüber hinaus sind wir auf Spenden und Sponsoren angewiesen. Die Stiftung selbst verfügt nur über geringe finanzielle Mittel. Frau Prof. Siegrist und ich sind Angestellte der Universität Genf, und auch die anderen Stiftungsräte werden von ihren jeweiligen Arbeitgebern bezahlt. Somit benötigt meineimpfungen.ch nur Mittel für laufende Kosten, für die Softwareentwicklung und für Kampagnen, um die Nutzung des schweizerischen elektronischen Impfausweises zu fördern.
Wofür braucht es den elektronischen Impfausweis, bisher genügten doch auch die Impfbüchlein? Desgrandchamps: Speziell an meineimpfungen.ch ist nicht nur, dass es sich um eine elektronisch abgespeicherte und somit immer verfügbare Datensammlung handelt, sondern dass die individuellen Daten-
sätze mit einer Expertensoftware gekoppelt sind. Diese Expertensoftware kann etwas leisten, was vor zehn Jahren noch als unmöglich galt, nämlich die individuellen Impfdaten mit den Schweizerischen Impfempfehlungen abzugleichen. Die Impfempfehlungen des Impfplans sind sehr komplex. Viele Fachpersonen haben den Eindruck, es gebe dort mehr Fussnoten als Tabellen oder Text. Die Expertensoftware im System von «meineimpfungen.ch» kann aber überprüfen, ob die erfolgten Impfungen mit den aktuellen Empfehlungen übereinstimmen, allfällige Lücken feststellen und darauf basierend eine individuelle Nachholimpfempfehlung inklusive Terminplan generieren. Selbst sehr spezielle Aspekte werden dabei berücksichtigt. Ich möchte Ihnen dazu ein Beispiel geben: Es gab vor vielen Jahren einmal einen MMR-Impfstoff, der sehr gut gegen Masern und Röteln schützte, aber wider Erwarten nicht gegen Mumps. Falls mit diesem Impfstoff geimpft wurde, erkennt die Expertensoftware dies und empfiehlt diese Impfung nur für Masern und Röteln, nicht aber für Mumps. Was die papierenen Impfbüchlein betrifft, so wissen wir alle, dass diese gerne verloren gehen, häufig unübersichtlich sind und schon gar nicht automatisch an notwendige Auffrischimpfungen erinnern. Unser elektronischer Impfausweis hingegen ist prinzipiell immer und überall verfügbar, und er ist das ideale Instrument, um rechtzeitig an notwendige Impfungen zu erinnern oder um Impflücken aufzudecken. Ein Impfbüchlein auf Papier erstellt keinen individuellen Impfplan, sondern der Arzt muss diesen erst mühsam aufgrund allgemeiner und persönlicher Bedürfnisse zusammenstellen. Die Expertensoftware hing