Transkript
DIAGNOSTISCHE TESTS – DIE LÖSUNG?
EDITORIAL
Liebe Kolleginnen und Kollegen
Die moderne gynäkologische Onkologie und Frauenheilkunde bewegt sich zunehmend im Spannungsfeld zwischen präziser Risikostratifizierung, Vermeidung unnötiger Interventionen und individualisierter Betreuung. Die Beiträge dieser Ausgabe zeigen eindrücklich, wie sich diagnostische und therapeutische Konzepte weiterentwickeln – getragen von evidenzbasierten Modellen, neuen Leitlinien und innovativen diagnostischen Ansätzen.
Ein zentrales Thema bleibt die Diagnosestellung gynäkologischer Erkrankungen. Da die Mehrzahl der Befunde gutartig ist, gewinnt die präzise Einschätzung des Malignitätsrisikos entscheidend an Bedeutung. Validierte Risikomodelle ermöglichen heute eine differenzierte Beurteilung und helfen, Patientinnen einer konservativen, minimalinvasiven oder onkologischen Therapie zuzuführen. Bei Läsionen mit niedrigem Risiko ist die Wahrscheinlichkeit späterer Komplikationen oder einer malignen Entwicklung sehr gering.
Auch in der Nachsorge gynäkologischer Malignome zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Die neuen ESGO-Empfehlungen hinterfragen den routinemässigen Einsatz von Tumormarkern und ersetzen standar-
disierte Kontrollschemata durch ein differenziertes, klinisch orientiertes Surveillance-Konzept. Diagnostische Methoden sollen künftig primär dort eingesetzt werden, wo sie therapeutische Konsequenzen haben. Dieser Ansatz stärkt die Patientinnen-zentrierte Nachsorge und vermeidet unnötige Untersuchungen.
Die Prävention des Zervixkarzinoms bleibt ein Meilenstein der gynäkologischen Vorsorge. Während zytologische Screening Programme die Erkrankungsrate seit Jahrzehnten deutlich senken, eröffnet das primäre HPV-Screening neue Perspektiven. Aufgrund seiner höheren Sensitivität für die Erkennung zervikaler Dysplasien und Karzinome wurde der HPV-Test bereits in vielen Ländern in die reguläre Vorsorge integriert.
Gemeinsam verdeutlichen die Beiträge dieser Ausgabe, dass die Zukunft der gynäkologischen Diagnostik und Onkologie vor allem in einer intelligenten, evidenzbasierten und Patientinnen-orientierten Anwendung bestehender Möglichkeiten liegt.
Viel Vergnügen beim Lesen! Ihre Viola Heinzelmann-Schwarz
Die Schweizer Zeitschrift für GYNÄKOLOGIE ist nach den Weiter-/Fortbildungsschwerpunkten des Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) der FMH ausgerichtet.
Schweizer Zeitschrift für GYNÄKOLOGIE 02/2026:
Gynäkologische Onkologie/gynäkologische Senologie Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie Operative Gynäkologie und Geburtshilfe Fetomaternale Medizin Urogynäkologie
gynäkologie 2 | 2026
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