santésuisse gefährdet ärztliche Haus- und Heimbesuche


Ärztliche Haus- und Heimbesuche werden in der Schweiz stark abnehmen, da santésuisse eine Verlängerung der so genannten Besuchs-Inkonvenienz-Pauschale abgelehnt hat. Krankenkassen vergüten künftig die ärztlichen Hausbesuche nicht mehr adäquat, auch wenn solche Konsultationen medizinisch notwendig sind. Für die FMH ist der Entscheid unverständlich und setzt falsche Anreize: Zum einen gefährdet santésuisse die medizinische Versorgung von Patienten, zum anderen bewirkt sie mit Hospitalisationen und Heimaufenthalten eine weitere Kostensteigerung. Heute werden bettlägerige und wenig mobile Patienten mittels Haus- und Heimbesuchen ärztlich betreut. Diese Dienstleistung ist als Besuchs-Inkonvenienz-Pauschale im TARMED, dem Tarifvertrag zwischen der FMH und santésuisse, festgehalten: Patienten können darauf zählen, dass der Hausbesuch ihres Arztes durch die Krankenkassenprämie gedeckt ist und ebenso erhält der Arzt eine Kompensation für seine Abwesenheit in der Praxis. Nun hat santésuisse die Verlängerung der Hausbesuchs-Pauschale abgelehnt mit der Begründung, dass sich damit Kosten sparen lassen. Der Entscheid ist für die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH nicht nachvollziehbar: Die Hausarztmedizin gilt als kostengünstig und effizient ˆ ein Abbau der Hausbesuche führt zu mehr Spitaleinweisungen, zu vorzeitigen Aufenthalten in Alters- sowie Pflegeheimen und damit zu erheblichen Mehrkosten. «Der Entscheid von santésuisse ist nicht nachvollziehbar», konstatiert Dr. med. Ernst Gähler, Hausarzt und Vize-Präsident der FMH. Im Zusammenhang mit einer Verlängerung der Hausbesuchs-Pauschale hat der Dachverband der Krankenversicherer die Verhandlungen seit längerem blockiert und nun ohne Rücksprache mit dem Vertragspartner den Entscheid medial publik gemacht. Wie santésuisse verlauten lässt, möchte sie mit diesem Entscheid eine Spaltung zwischen Hausärzten und spezialisierten Ärzten erzielen und eine Verlagerung der Kosten von letzteren zu ersteren erwirken ˆ dies wird die Ärzteschaft aber nicht zulassen. Widersprüchlich bleibt santésuisse auch in Bezug auf die Haltung zur Hausarztmedizin: Zwar betont der Dachverband der Krankenkassen immer wieder, dass die Hausarztmedizin zu fördern sei, weil sie effizient und kostengünstig ist. Mit ihrem Entscheid zur Hausbesuchs-Pauschale bewirkt santésuisse nun das genaue Gegenteil und trägt zu weiteren unnötigen Ausgaben bei.